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All-22: Rookie-Linebacker Jordyn Brooks

Jordyn Brooks war der erste Pick der Seattle Seahawks im NFL Draft 2020. Das Team um John Schneider wählte Brooks, der bei Texas Tech seine College-Laufbahn absolvierte, an Stelle #27 in der ersten Runde. Wieder mal war es ein Pick, den keiner an der Stelle kommen sehen hat.

Brooks spielte in den ersten drei Wochen der Saison 2020 kaum, brachte es nur auf 29 Snaps. Anschließend verletzte er sich am Knie und war erst in Woche 7 wieder einsatzbereit.

So war das Spiel gegen die Arizona Cardinals in derselbigen Woche einer der Match-Ups, weswegen Brooks den Weg in den Pacific Northwest fand. Brooks ist ein enorm guter Athlet, besitzt eine gute Antritts- und Endgeschwindigkeit, um die Distanz zwischen ihm und dem Ballträger schnell zu verkleinern. Im College spielte in seiner letzten Saison oft den Quarterback-Spy, lauerte und bewachte häufig den gegnerischen Quarterback. Eine Aufgabe, die auch gegen Quarterbacks wie etwa Kyler Murray von Jordyn Brooks ausgefüllt werden könnte. Aber auch gegen die Outside-Zone lastigen Laufspiele innerhalb der Division stellt Brooks einen guten Fit dar.

Fragezeichen gab es Pre-Draft aufgrund seiner Fähigkeiten in der Coverage. Wie beschrieben spielte er im letzten College-Jahr eine etwas andere Rolle in der Offense, es gab kaum Tape von Brooks in Coverage. Als moderner Linebacker ist es in der passlastigen NFL aber mittlerweile Pflicht, auch gut in der Deckung spielen zu können. Die Zweifel konnte, darauf komme ich aber später, nicht vollständig ausgeräumt werden.

Jordyn Brooks Vorstellungen nach dem Draft findet ihr im Schnellcheck oder in der Rookie-Vorstellung bei den German Sea Hawkers.

Statistiken 2020 Jordyn Brooks

Spiele: 14
Tackles (Gesamt/Solo/Assist): 53/31/22
Pässe verteidigt: 2
Interceptions: 0
Sacks: 0

Pro Football Focus Grades (0/100)
Gesamtnote: 50.0
Laufverteidigung: 73.6
Tackling: 72.8
Pass-Rush: 60.0
Coverage: 29.4

Analyse

Brooks in Passverteidigung

Die erste Szene ist aus dem Spiel gegen die New York Giants in Woche 13. Brooks Aufgabe bei diesem Spielzug ist die Passverteidigung. Er hält seine zugeteilte Zone diszipliniert. Der Angreifer der Giants läuft um ihn herum und versucht Brooks so abzuschütteln. Brooks reagiert schnell, lässt sich vom Angreifer nicht verladen und kann kurz nach dem Catch sicher tackeln. Wünschenswert wäre natürlich eine noch engere Deckungsarbeit von Brooks gewesen. Die Limitierung der Yards nach dem Catch ist das Minimalziel, welches Brooks zuverlässig erreicht.

Auch die zweite Szene ist aus dem Spiel gegen die New York Giants. Wieder ist Brooks in der Passverteidigung zu finden. Die Giants spielen einen Play-Action-Rollout: Sie täuschen den Laufspielzug an, der Quarterback läuft danach rechts aus der Pocket raus und versucht den Ball an seinen Passempfänger zu bringen.

Brooks reagiert erst auf den Laufspielzug. Wäre Brooks Athletik nicht so gut wäre der Spielzug eine einfache Completion geworden. Brooks kann sich aber schnell genug wieder in aussichtsreiche Position bringen und seine Deckungsarbeit wieder aufnehmen. Er schafft es sogar noch, den Ball abzuwehren und den Spiel zu verteidigen. Ein Spielzug, der durchaus Hoffnung für die Zukunft machen kann.

Die letzte Szene zur Deckungsarbeit von Brooks bestätigten aber auch die Fragezeichen, die man im Vorfeld des Drafts bei ihm hatte. Er hat die Aufgabe den Tight End der Arizona Cardinals zu decken. Brooks reagiert kurz nach der Line of scrimmage zu langsam auf den Tight End. Der Versuch der Kontaktaufnahme innerhalb der ersten 5 Yards gelingt ihm nicht, damit kann der Gegenspieler nicht mal ansatzweise aus dem Rythmus gebracht werden. Der Rookie-Linebacker wartet vergeblich auf Hilfe von Safety Quandre Diggs. Snaps wie diese zeigen aber auch deutlich auf, welche Probleme Brooks in seinem Spiel hat.

Brooks in der Laufverteidigung

In den letzten beiden Szenen werfen wir einen Blick auf die Stärken von Brooks: Laufverteidigung und Tackling. In dieser Szene stehen die San Francisco 49ers mit ihrem gefürchtetem und kreativen Laufspiel nah an der Endzone der Seattle Seahawks. Sie täuschen einen Jet Sweep über den Wide Receiver an, laufen dann aber doch mit Running Back.

Brooks lässt sich vom angetäuschten Jet Sweep nicht aus der Position bringen. Er scannt in aller Ruhe den Ballträger. Sobald er den Ball klar erkennt geht es getreu dem alten Motto “Find Ball, see ball, get all” mit voller Geschwindigkeit auf den Angreifer. Brooks macht hier einen guten Job, indem er den Blocks der Offensive Line geschickt ausweicht und dann sicher zum Tackling kommt. Er kann den herannahenden Running Back sofort bei Kontakt stoppen.

Zum Abschluss eine ähnliche Szene aus dem zweiten Spiel gegen die Los Angeles Rams. Beim jetzt schon fast legendären Goal-Line-Stand (Die Seahawks verteidigten vier Versuche aus kürzester gegen die Rams-Offensive). Brooks weicht auch hier größtenteils dem Block aus, macht aber auch einen guten Job beim Block-Shedding. Eine der Schwächen, die ich bei Brooks nach dem Draft ausgemacht habe. Auch wenn diese Szene nur exemplarisch gilt, da er nicht vollends im Block des Offensive Lineman gefangen ist.

Fazit

Jordyn Brooks hat mit 402 Snaps (Zum Vergleich: Bobby Wagner absolvierte 1212 Snaps) noch einen relativ geringen Spielanteil in seiner Rookie-Saison bekommen. Das lag zum einen an der namhaften teaminternen Konkurrenz, zum anderen aber auch an der Verletzungspause zu Beginn der Saison.

Brooks konnte in seinem ersten Jahr gute Ansätze zeigen. Seine Spielerkennung war meist gut, seine hohe Sprintgeschwindigkeit hatte einige gute Run-Stops in der Nähe der Endzone zur Folge und auch seinem vorgeeilten Ruf als sicherer Tackler konnte Brooks in der NFL bestätigen.

In anderen Disziplinen muss Brooks in seiner nächsten Spielzeit nachlegen. Sein Block-Shedding war leicht verbessert, mit einer zugegeben geringen Sample-Size. Brooks hatte einige gute Snaps in Coverage, aber auch mindestens genau so viele schlechte Aktionen in der Passverteidigung.

Kann sich Brooks bei seinen Schwächen, vor allem der Deckungsarbeit, sehen wir unter Umständen einen sehr kompletten Linebacker. Auch einen Linebacker, der in der modernen NFL seinen Platz hat. Ob der hohe Pickeinsatz am Ende gerechtfertigt war – die Zeit wird es zeigen. Ein Urteil erlaube ich mir nach einer Saison nicht.