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Seattle Seahawks
All-22: Seal the Deal with Ryan Neal

All-22: Seal the Deal with Ryan Neal

Jeder mag den Underdog, mich eingeschlossen. Und welcher Fan mag es nicht, wenn Spieler große Hürden überwinden, als Undrafted Free Agent in die Liga kommen und sich aus der hintersten Reihe ins Rampenlicht spielen? Stoff, aus dem Filme sind. So weit kann man bei der Story von Safety Ryan Neal noch nicht gehen. Doch der erste Schritt ist getan.

Ryan Neal unterzeichnete im Jahre 2018 einen Vertrag als UDFA bei den Philadelphia Eagles, wurde dort aber vor Saisonstart entlassen und unterschrieb anschließend bei den Atlanta Falcons, bei denen er sein Debüt am 09.12.2018 im Spiel gegen die Green Bay Packers gab. Er schaffte den finalen Roster-Cut bei den Falcons in der Folge-Saison nicht und wurde am 31.08.2019 entlassen. Den Weg zu den Seattle Seahawks fand Neal wenig später, am 02.09.2019, den Anschlussvertrag gab es Anfang April 2020, ehe er auch hier entlassen, dann aber in den Practice Squad aufgenommen wurde. Wie man schon erahnen kann ist das alles andere als ein klarer und stringenter Karriereweg. Die meisten dieser Karrieren enden irgendwann in den Practice Squads oder Special Teams dieser Welt. Auch Neal spielte schon mit dem Gedanken aufzuhören.

Doch ich schrieb eingangs von einer Feel-Good-Story und so kam es dann. Durch die neue Regelung zur Saison 2020 im Zuge der COVID-19 Pandemie ist es erlaubt, pro Spieltag zwei Spieler aus dem Practice Squad ins Gameday-Roster zu berufen. Vor dem Spiel in Woche 3 gegen die Dallas Cowboys machten die Seahawks von diesem Recht gebrauch und beriefen Shaquem Griffin und Ryan Neal in den Kader. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf: Starter Jamal Adams verletzte sich. Nachdem Ryan Neal drei Viertel nur an der Seitenlinie stand war seine Zeit gekommen. Mit nur noch 6 Sekunden auf der Uhr wirft Dak Prescott den Ball tief in die Endzone. Neal steht richtig, steigt hoch und fängt den Ball. Interception. Ekstase.

Eine Woche später ist Ryan Neal auch im Spiel gegen die Miami Dolphins Starter. Und zeigte hier eine solide Leistung. Ich habe mir das Spiel im All-22 angesehen und möchte euch nun einige Szenen etwas näher zeigen und erklären. Und Gründe liefern warum ich denke, dass Ryan Neal gekommen ist um zu bleiben.

Analyse

Wir werden in den folgenden Szenen oft eine Cover-3-Formation sehen – typisch für die Seattle Seahawks. Ein Trend aus dem Spiel gegen die Miami Dolphins war es aber, dass immer öfter in Two-High-Safety-Sets gespielt wird. Das bedeutet das der Strong Safety, die Position die Neal inne hatte, seltener in der Nähe der Box zu finden ist. Oft spielt Seattle mit einem Single-High-Safety. In seiner Blütezeit mit einem überragendem Earl Thomas, der sowas wie das Paradebeispiel eines Free Safety verkörperte. Seit letzter Saison hat diese Position Quandre Diggs übernommen und erfüllt hier seine Aufgabe gut.

Die Überlegung mehr mit zwei tiefen Safeties zu spielen ist nach den ersten Wochen der noch jungen NFL-Saison nur eine schlüssige. Die Seahawks-Defense lässt eine Menge Yards durch die Luft zu und war unüblich für eine Carroll-Defense sehr anfällig für Big Plays. Das Credo von Pete Carroll war es eigentlich immer, Big Plays zu minimieren und Completions Underneath zu zulassen. Bend but dont’t break ist wohl die Floskel, die es am besten beschreibt.

Neal ist hier am unteren linken Bild zu sehen, auf einer Höhe mit Quandre Diggs an der 36-Yard-Linie. Der Ball wird von Quarterback Ryan Fitzpatrick auf die rechte Seite der Defense geworfen. Cornerback Tre Flowers ist in erster Instanz für die Deckung der Zone verantwortlich, klebt aber zu lange in der Flat-Zone. Fitzpatrick wirft den Ball über ihn auf Tight End Mike Gesicki. Neal macht seine Aufgabe als Safety, der Libero einer Football-Defense, exzellent: Er ist direkt nach dem Catch am Gegenspieler und kann ihn zumindest dort stoppen. Dadurch minimiert er Yards nach dem Catch. Das ist nur möglich mit gutem Stellungsspiel und Timing. Das beweist Neal in dieser Szene.

Neal setzt nach einer erfolgreichen Completion das Tackle. Quelle: NFL Gamepass

Eine Vermutung meinerseits war es, dass auch mit zwei tiefen Safeties gespielt wurde, um dem unerfahrenen Neal die Aufgabe nochmal etwas zu erleichtern. Jamal Adams ist erfahrener, flexibler und gehört zur absoluten NFL-Elite. Doch ich sah mich getäuscht: Neal wurde auch auf dem Feld hin- und hergeschoben wie es Head Coach oder Defensive Coordinator passte. In der nächsten Szene ist Neal nah an der Box positioniert. Zuerst spielt Neal den vermuteten Laufspielzug, versucht den Tight End, der anschließend eine Route läuft, zu tackeln. Der Quarterback wirft aber einen kurzen Ball auf den Running Back. Neal schaltet blitzschnell um, verfügt über einen guten Antritt und ausreichende Geschwindigkeit um den scheinbar enteilten Gegenspieler im offenen Feld zu tackeln. Besonderes Lob gilt hier der Tackle-Technik: Neal wählt trotz etwas Rückstand auf den Running Back einen guten Winkel, kann das Tackle sicher setzen.

Neal mit einem Open Field Tackle. Quelle: NFL Gamepass

Ryan Neal ist anscheinend lange genug bei den Seattle Seahawks, um von K.J. Wright gelernt zu haben. Anders ist das folgende Play kaum zu erklären. Wieder stehen die Seahawks mit Two-High-Safeties auf dem Feld. Der Snap erfolgt, die Offensive Line der Dolphins macht sich auf den Weg in die linke Spielfeldhälfte – Screen-Pass. Neal beweist hier eine schnelle Auffassungsgabe und Football-IQ. Er liest den Spielzug schnell und nutzt dann seinen starken Antritt, um kurz bevor der anvisierte Spieler der Dolphins den Ball fangen kann mit einem harten Tackle die Completion zu verhindern. Eine Symbiose aus K.J. Wrights Spielerkennung und einem harten Tackle a lá Kam Chancellor, der unter der Woche Ryan Neal noch einige Tipps mit auf den Weg gegeben hat. Anscheinend mit Erfolg.

Neal stoppt den Screen-Pass im Aufbau. Quelle: NFL Gamepass

In der letzten Szene der Analyse springen wir an den Spielbeginn. Hier ist Neal eher Nutznießer der Situation, kann aber seine zweite Interception in zwei Wochen fangen. Der Pass von Fitzpatrick ist gedacht für einen Receiver in der Mitte des Feldes. Linebacker Cody Barton gelingt es, den Pass zu verteidigen. Der getippte Ball fliegt hoch durch die Luft und es ist ein leichtes für Neal diesen zu fangen. Was man ihm hier positiv anrechnen kann ist das Stellungsspiel. Und sollten ihm solche Szenen öfter gelingen kann man ab einem gewissen Punkt und einer gewissen Häufigkeit nicht mehr von Glück sprechen.

Neals Interception nach einem getippten Pass von Fitzpatrick. Quelle: NFL Gamepass

Fazit

Nach der Verletzung von Jamal Adams ist es Ryan Neal gelungen ein wertvoller Ersatz für die Seahawks-Defense zu sein. Wenn man bedenkt, dass auch Marquise Blair verletzt ist, kann Neal die dringend benötigte Tiefe für die Secondary zu sein. Neal traue ich nach den ersten Eindrücken die Rolle das Safeties zu, jedoch ist aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen auch ein Einsatz als Nickel-Corner durchaus denkbar. Hier macht aber aktuell Ugo Amadi, der nach der Verletzung von Blair die Rolle ausfüllt, einen wirklich guten Job. Tiefe schadet aber keinem Roster und kann auf die Saison gesehen den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage, Playoff-Aus oder Super Bowl machen. Und dann wäre ich um einen soliden Ersatzspieler wie Ryan Neal sehr dankbar.