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Blocken, Fangen, Match-Up-Waffe – Die Tight-End-Klasse des NFL Draft 2020

Die Anforderungen an einen modernen Tight End steigen. Die Paradebeispiele wie etwa Travis Kelce, George Kittle oder Zach Ertz zeigen: Tight Ends sind nicht mehr nur zusätzliche Blocker, die ab und eine Checkdown-Option für den Quarterback sind. Tight Ends werden heutzutage als wahre Match-Up-Waffen im Passspiel eingesetzt, müssen daher auch gut und sicher fangen und auch Routen laufen können.

Vorab: Ich sehe die Tight-End-Klasse dieses Jahr als durchschnittlich an. Dennoch gibt es einige interessante Prospects, die eventuell noch etwas Zeit benötigen oder nur als Spieler in bestimmten Disziplinen bestechen. Uninteressant ist die Klasse aber keinesfalls.

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Kriterien zur Bewertung von Tight Ends

Ich unterscheide grob:

  • kompletter Tight End: Blocken und Fangen gut und stark ausgeprägt, der Spieler ist meist sehr komplett und hat nur vereinzelt Schwächen in seinem Spiel
  • Receiving-Tight-End: Offenbart einige Schwächen im Blocking, kann aber mit einem kurzen Block Zeit verschaffen und hat seine Stärken im Passspiel. Ist für mich aber etwas wichtiger als der reine Blocker und hat daher bessere Chancen, höher gewertet zu werden.
  • Blocking-Tight-End: Der Tight End besticht nicht durch gute Athletik und Sicherheit beim Catch. Dafür blockt er aber sehr stark und ist eine wahre Verstärkung im Lauf- oder Pass-Blocking für die Offensive Line. Hat für mich aber einen geringeren Draft-Value und muss schon ein sehr guter bis herausragender Blocker sein, um im Ranking zu klettern.

Und genau nach dem, zugegeben simplen Schema, werde ich auch die Spieler am Ende ranken. Das Komplettpaket ist sehr wertvoll und Stärken als Receiver werte ich in der heutigen NFL wertvoller als der reine Blocker. Am Ende ist es natürlich auch immer eine Frage des System-Fits, das ein oder andere Team wird, vor allem bei einem lauflastigen Ansatz, den Blocker bevorzugen. Ist aber ein Tight End ein wirklich sehr guter Blocker, aber als Pass-Option nicht so variantenreich und zuverlässig, dann kann es aufgrund des überaus guten Abschneiden in einer Disziplin auch zu höheren Rankings kommen.


1. Brycen Hopkins, Purdue

Brycen Hopkins ist ein sehr kompletter Tight End. Er blockt gut, auch wenn er sicherlich noch am Halten der Blocks arbeiten muss. Im Receiving-Game ist er eine echte Waffe, hat zumeist sichere Hände und läuft seine Routen sehr sauber. Hopkins orientiert sich sich sehr nach seinem Quarterback, reagiert auch kurzfristig wenn er sieht, er kann bei einem Block oder als schnelle Anspielstation seinem Spielmacher helfen. Das beste Beispiel dafür im Spiel gegen Wisconsin: Der Quarterback läuft sich fest, Hopkins realisiert dies schnell, kommt ihm entgegen, empfängt dann den Shuffle-Pass und macht noch einige Yards Raumgewinn. Das Spiel gegen Wisconsin war sowieso alles in allem schon sehr gutes Tape von Hopkins: mit einer Stat-Line von 8 Receptions für 127 Yards und 2 Touchdowns liest sich das nicht nur sehr gut, sondern sah auch sehr gut aus. Im Spiel gegen TCU offenbarte Hopkins noch eine weitere Seite seines Spiels: Nach einer kurzen Reception und einer schönen Finte direkt nach dem Catch lässt er den Verteidiger ins Leere tackeln und macht aus einem kurzen Checkdown einen bedeutenden Raumgewinn. Im Passspiel kann Hopkins eine sehr gefährliche Option für die Offense sein.

Aber auch in der zweiten Hauptdisziplin, dem Blocken, ist Hopkins solide bis gut. Dort ist er auch vielseitig einsetzbar: Mal blockt er als Outside Receiver aufgestellt für einen Screen-Pass, dann einfach im Slot als “normaler” Tight End und ist auch ab und an als Fullback aufgestellt, um im Laufspiel seinem Running Back zu helfen. Hopkins hat beim Blocken einen festen Stand, verliert kaum ein direktes Duell oder ist in der Lage, den Block zumindest so lange wie nötig aufrecht zu erhalten. Heißt: Er lässt sich nicht schnell schlagen. Und selbst das reicht meist auch schon, um seinem Team zu helfen. Im Laufspiel ist Hopkins auch dazu in der Lage, einen kurzen Block zu setzen, diesen zu lösen, um dann den zweiten Block zu setzen und seinem Running Back den Weg frei zu blocken. Beschriebene Szene war auch aus dem Spiel gegen Wisconsin, indem er damit im Passen und Blocken ein sehr komplettes Tape produziert hat.

Hopkins ist schon sehr weit in seiner Entwicklung, um direkt NFL-ready sein. Leichte Schwächen hat er noch in leichtsinnigen Drops, wenn er auch meist sichere Hände beweist. Hopkins hat keinen Breakout-Speed, heißt seine Möglichkeit Yards nach dem Catch zu erzielen ist meist sehr begrenzt, er wird einem Defensive Back selten einfach so davon laufen. Im Blocking bringt er sehr gute Anlagen und Fundamente mit, hier bedarf es aber noch etwas Arbeit, vor allem wenn es darum geht einen Block länger aufrecht zu erhalten.

Gesehene Spiele: Wisconsin, Maryland, TCU

2. Adam Trautman, Dayton

Adam Trautman – akademischer Standout in Elektrotechnik und kein gerankter Recruit. Nach vier Jahren am College mit insgesamt 44 Spielen ist er ein wahrlich ausdauernder Spieler. 40 Spiele davon startete Trautman. In seinem letzten Jahr am College konnte Trautman 916 Yards erzielen und 14 Touchdowns in 11 Spielen fangen. Jetzt steht der Sprung in die NFL an. Seine Combine-Resultate in den Agility-Drills (beste Zeit im 3-Cone-Drill und drittbeste Zeit im 20-Yard-Shuttle) sprechen für eine gute Athletik. Doch was macht Trautman auf dem Spielfeld?

Diese angedeutete Athletik macht sich auch auf dem Tape bemerkbar. Zwar hat Trautman keine Geschwindigkeit, um massig Yards after catch zu erlaufen, aber einen Antritt der ihm auf kurzen Routen hilft, Separation vom Verteidiger zu bekommen oder beim Blocken, vor allem für Blocks auf dem zweiten Level, schnell nah an den Verteidiger ranzukommen. Hierbei blockt er mit viel Einsatz und lässt sich niemals leicht schlagen. Technisch sind seine Blocks aber noch ausbaufähig. Selten sieht man aber auch, wie die Hände des Verteidigers weg schlägt. Eine Eigenschaft, die ihm auch auf den nächsten Level helfen wird. Stärker sehe ich Trautman im Run-Blocking, hier blockt er gut den ersten Verteidiger an, bevor auf dem zweiten Level den zweiten Block setzt. In der Pass-Protection macht sich seine mangelnde Technik eher bemerkbar.

Als Receiver wird Trautman variabel eingesetzt. Er ist im Slot oder als Wideout aufgestellt zu finden. Wie bereits beschrieben sind durch seine niedrige Endgeschwindigkeit die Yards after catch, die er erzielt, begrenzt. Trautman ist aber ein verlässlicher Receiver mit guten Händen. Dazu zwei Beispiele: Im Spiel gegen Drake fängt Trautman umzingelt von drei Verteidigern einen Pass nach einem Trick-Play, in dem er seine Fähigkeit, Contested catches zu gewinnen, eindrucksvoll zeigt. Im Spiel gegen Jacksonville, indem er übrigens sage und schreibe 4 Touchdowns fangen konnte, sticht vor allem sein erster Touchdown heraus, bei dem er nach einem langen Pass in die hintere rechte Ecke der Endzone bei voller Körperstreckung den Ball in seine Hände gleiten lässt. Das Route-Running ist für einen Tight End ausreichend und Trautman ist eine sichere Anspielstation underneath.

Die Upside bei Trautman in der NFL sehe ich darin, dass er gute Anlagen als Receiver mitbringt. Steigert er sich in der Pass-Protection, wozu auch eine Kraftsteigerung notwendig wäre, sieht das Komplettpaket von Trautman ziemlich gut aus. Außerdem muss Trautman an seiner Blocking-Technik arbeiten. Wünschenswert wäre es weiterhin, wenn Trautman aggressiver in Richtung des Balles geht, wenn dieser in der Luft ist.

Gesehene Spiele: Drake, Jacksonville, San Diego

3. Cole Kmet – Notre Dame

Cole Kmet wagt den Schritt in den NFL-Draft nach drei Jahren am College. Mit 21 Jahren gehört er damit zu den jüngsten Spielern der Klasse, was als gutes Zeichen hinsichtlich seines Entwicklungspotentials gewertet werden kann. Beim Combine beeindruckte Kmet: Mit der viertbesten Zeit im 40-Yard-Dash (4.70), dem drittbesten Wert beim Broad Jump (123) und der Bestleistung im Vertical Jump (3.70).

Kmet ist ein zuverlässiger Ballfänger. Ob mehrere Catches nah der an der Seitenlinie mit dem bekannten Toe-Drag-Swag oder in Contested-Catch-Situation – Kmet ist hier ein verlässliches Ziel für seinen Quarterback. Er ist regelmäßig in der Lage, Separation zu kreieren. Seine gute Zeit auf 40 Yard zeigt sich hiermit also auch auf dem Spielfeld. Seine Route-Running ist grundsätzlich solide, wenn auch noch ausbaufähig, hier zeigt er aber Ansätze wie im Spiel gegen das Boston College, bei dem er mit einer gezielten Tempo-Verlangsamung den Verteidiger narrt. Kmet ist ein Spezialist darin, dem Verteidiger in solchen Situationen auf die falsche Fährte zu locken. Öfter war es zu beobachten, wie Kmet bei kurzen Receptions frei in der Endzone zu finden war. Alles Resultat davon, dass Kmet sehr gut den Block antäuscht, um dann doch eine Route zu laufen. Nach dem Catch ist Kmet gewillt seine Schulterpads zu senken und Kontakt mit dem Verteidiger zu suchen.

Im Blocking ist Kmet grundsätzlich keine Schwachstelle. Er setzt seine Blocks, hat aber Probleme diese lange aufrecht zu erhalten. Im Pass-Blocking muss er noch zulegen, hier mangelt es noch an etwas Technik. Jedoch nicht so stark wie bei anderen Spielern der Klasse. Im Run-Blocking ist Kmet dann aber gut, ausdauernd und hat keine Probleme, zum Points of Attack zu kommen. Seine Schnelligkeit hilft ihm auch, zügig seinen Block auf dem zweiten Level anzusetzen und ermöglicht dem Running Back damit mehrfach große Raumgewinne oder macht den Weg frei für den Touchdown.

Kmet ist einer der kompletteren Prospect und ich sehe keine großen Schwachstellen in seinem Spiel. Mit seinem jungen Alter ist hier auch noch deutlich Potenzial nach oben, so dass ich Kmet als fähigen NFL-Starter einstufe.

Gesehene Spiele: Virginia, Boston College, Georgia, Virginia Tech

4. Hunter Bryant, Washington

Um Hunter Bryant kurz zu beschreiben fällt mir nur eins ein: Wide Receiver+. In der Draft-Klasse sehe ich ihn sogar als besten Receiver der Tight-End-Gruppe. Das impliziert aber auch: massive Schwächen im Blocking. Aber fangen wir ganz von vorne an:

Bryant hat sich nach drei Jahren am College zum Schritt in die NFL entschlossen. Nach einem guten Junior-Year mit 825 Yards und 3 Touchdowns verlässt er die University of Washington. Obwohl ich Bryants Schwächen beim Blocken bereits ansprach konnte er mit 23 Wiederholungen bei der Bench Press durchaus mit Kraft überraschen, dies war nämlich die zweitbeste Leistung der Tight Ends. Auch sein 3-Cone Drill war mit 7.08 Sekunden eine vielversprechende Zeit.

Seine Stärken hat Bryant in allem, was das Receiving betrifft. Er hat abgesehen von sehr wenigen Drops sehr sichere Hände, denn er fokussiert sich beim Fangen sehr darauf, auch wirklich mit seinen Händen und nicht mit seinem Körper zu fangen. Auch in voller Körperstreckung ist er in der Lage zu sicheren Receptions. Bryant findet zuverlässig die Soft Spots in einer Zonenverteidigung und fühlt sich im Bereich hinter den Linebackern sichtlich wohl, bewegt sich dort natürlich. Trotz seiner eher enttäuschenden Zeit beim 40-Yard-Dash (4.74 Sekunden) ist Bryant fähig, Yards nach dem Catch zu erzielen und zeigt das eindrucksvoll und regelmäßig. Bryant ist athletisch, verfügt über eine gute Körperbeherrschung und kann Separation gegen Defensive Backs kreieren. Contested Catches gewinnt Bryant häufig.

Trotz des vielen Lobes ist die stärkste Eigenschaft von Bryant für mich eine andere: Er ist Meister der Manipulation. In mehreren Szene war lange zu beobachten, wie Bryant mit angetäuschten Blocks die Verteidiger lange einfriert, bevor er dann doch seinen Antritt nutzt um eine Route zu laufen. Die Reception im Anschluss war dann, da vollständig offen, denkbar einfach. Auch im Spiel gegen Utah verlädt er den Verteidiger mit einem einfachen Stutter-Step (Verzögerung), um dann tief ins Feld durchzubrechen. Anschließend fängt er den Ball und kann nach einigen Yards after catch in die Endzone laufen.

Bei den Schwächen von Bryant ist ohne Zweifel das Blocken zu nennen. Hierbei muss auch gar nicht groß zwischen Run- oder Pass-Blocking unterschieden werden, in beiden Disziplinen ist er nicht überzeugend. Er hat massive Probleme, überhaupt Kontakt mit dem Verteidiger aufzunehmen, kommt so oft gar nicht zum Block. Ist er einmal im Block angekommen fehlt ihm gegen Spieler der Defensive Line oft die Kraft, hier kann sein Credo nur sein: Einfach nur nicht zu schnell schlagen lassen. Gegen Defensive Backs hingegen sind seine Blocks dann aber ausreichend, um Running-Lanes für den Running Back oder den Wide Receiver frei zu blocken. Oft hat Bryant auch keinen sicheren Stand beim Blocken, daher ist es neben der fehlenden Kraft (auch wenn die Bench Press beim Combine etwas anderes aussagt) auch die fehlende Technik ein Thema. Beides muss er in der NFL schnell weiter entwickeln.

Trotz dieser eklatanten Schwäche mag ich Bryant aber sehr. Als Receiver ist er für mich schon recht weit und komplett, als Blocker muss er auf ganzer Linie zulegen. Wäre er im Blocking zumindest mal solide hätte ich ihn auch gerne höher gerankt, so ist dies aber nicht möglich. In der heutigen NFL kann er aber für mich trotzdem als zweiter Tight End, der dann vornehmlich als Passempfänger aufgestellt und eingesetzt wird, eine gute Rolle spielen. Seine Upside liegt ganz klar darin, eine Match-Up-Waffe für die Offensive zu sein. Arbeitet Bryant an seinen Blocking-Skills und wird hier zumindest durchschnittlich hat er Chancen, in der Nachbetrachtung der beste Tight End der Klasse zu werden. Das würde mich aufgrund seiner Anlagen alles andere als überraschen.

Gesehene Spiele: Washington State, Arizona, Oregon, Utah

5. Thaddeus Moss, LSU

Sohn von NFL-Legende Randy Moss – nur das es mal erwähnt ist – und nationaler College-Champion. Mit Thaddeus Moss kommt ein prominenter Spieler in den NFL-Draft. Moss kommt aber auch mit einer Krankenakte in die Liga: 2017 hatte er eine Operation an der Schulter, 2018 benötigte er zwei Operationen nach einem gebrochenem Fuß. Nach der ersten Operation konnte der Fuß nicht heilen. Auch den Combine verpasste Moss mit einer vor Ort festgestellten Fraktur im rechten Fuß, auch hier war eine Operation notwendig.

Moss ist für mich der beste Blocker in der diesjährigen Tight-End-Klasse. Im Run-Blocking ist Moss exzellent – er versteht es zum Point of Attack zu kommen, blockt mit einer gewissen (und gut gemeinten) Aggressivität und bewegt die Verteidiger mehrere Yards nach hinten, um die Laufwege für die Running Backs freizumachen. In der Pass-Protection bleibt Moss geduldig: Versucht der Verteidiger über Außen durchzubrechen geht Moss mit kleinen Schritten mit, kompensiert nicht über und hält den Verteidiger in der Regel auf. In beiden Disziplinen ist Moss aber sehr stark, hält die Blocks auch sehr lange aufrecht und hat einen festen Griff.

Im Passspiel wird Moss passabel eingesetzt. Moss ist auf Tape nicht sonderlich schnell und einen Gegenbeweis konnte er beim Combine nicht erbringen. Sein Route-Tree ist sehr begrenzt – meistens sind es Slants, Outs oder Crosser. Moss hat zwar einige Drops, als generelles Problem würde ich es aber nicht sehen. Eher ein Problem habe ich mit der Fumble-Problematik: Bei vergleichsweise einfachen Hits auf den Ball hat Moss den Ball in 5 Spielen 2 Mal verloren. Hier erwarte ich einfach mehr. Sein bester Catch war ein Toe-Drag im Spiel gegen Alabama, in dem er in spektakulärer Art und Weise einen Fuß kurz vor der Endzone, aber eben auch kurz vor der Seitenlinie fängt. Sollte er solche Plays in der NFL häufen – wäre sein Wert deutlich höher. Hier zeigt Moss alles, was er im Passspiel mitbringen kann: Catch mit den Händen, volle Körpergröße ausspielen und ein großer Catch-Radius. Yards nach dem Catch erzielt Moss nicht viele, sein Stiff Arm ist aber ein sehr guter, sehr brutaler. Auch das kann ihm auf dem nächsten Level weiter helfen.

Moss sehe ich als Passempfänger limitiert. Dafür wirkt er zu langsam, läuft seine Routen oft nicht in vollem Speed und die Ballsicherheit nach dem Catch ist ausbaufähig. Im Blocken ist Moss aber der Beste in der Klasse, dabei macht es keinen großen Unterschied ob er zum Run- oder Pass-Blocking abgestellt ist. Damit sehe ich ihn in der NFL in einem Team, welches auf einen Run-Heavy-Ansatz ausgelegt ist, einen massiven Mehrwert. Um eine weitere Option als konstanter und verlässlicher Receiver zu sein bedarf es einer Weiterentwicklung, Moss kann seinem Team aber im Kurzpassspiel helfen, um konstante Raumgewinne zu erzielen.

Gesehene Spiele: Utah St., Ole Miss, Alabama, Oklahoma, Auburn

6. Josiah Deguara, Cincinnati

Josiah Deguara könnte der Spieler werden, die spät vor dem Draft die Boars hochklettern. In einer zugegeben eher durchschnittlichen Tight-End-Gruppe und mit einem guten Auftritt beim Senior Bowl hat er dafür schon mal eine gute Ausgangslage.

Deguara ist für mich einer der kompletteren Tight Ends dieser Klasse. Das ist, überspitzt gesagt, schon eine Rarität. Mit dem Ball beweist Deguara nach dem Catch einen schnellen Antritt, ist hier nach dem Catch noch gefährlich. Deguaras Hände sind als sicher zu bezeichnen. Seine Routes sind nicht besonders ausgefallen, aber für eine valide Einschätzung seiner Fähigkeit Routen zu laufen habe ich schlicht zu wenig Tape zur Verfügung gehabt. Er versteht es aber, Verteidiger zu verwirren und bis zum letzten Moment mit dem Lauf der Route zu warten. Oft wird er auch im Tight-End-Screen als Läufer eingesetzt, sowas ist wahrlich nicht so vielen Tight Ends vorbehalten. Deguara kann im Run-Blocking Verteidiger bewegen und ist in den wenigen Möglichkeiten, in denen er in der Pass-Protection eingesetzt wurde, solide unterwegs.

Sein bestes Play hat er aber nicht als Receiver oder Blocker, sondern lapidar gesagt als Verteidiger. Nach einer Interception in der Endzone und einem drohenden Pick Six sprintet Deguara über das gesamte Feld einem Defensive Back hinterher und bringt ihn an der 30-Yard-Linie zu fall. Ein wirkliches “Hustle-Play”.

Ich würde von dem was ich gesehen habe Deguara sogar lieber höher einstufen. Doch dafür ist die Sample Size bei ihm einfach zu gering. Ich hoffe auf weitere Tapes im Laufe des Pre-Draft-Prozesses, um ihn noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Bis hierhin bleibt er mein Tight End Nummer 6, aber das mit Upside. Durch das komplette Profil bringt Deguara gute Fundamentals mit, um in der NFL eine gute Rolle zu spielen.

Gesehene Spiele: Memphis, UCLA

7. Harrison Bryant, Florida Atlantic

Harrison Bryant knackte in seiner letzten Saison die magische 1000-Yard-Marke. Und das hat gute Gründe: trotz seiner Körpergröße von 1,96m bewegt sich Bryant wie ein Receiver. Sein Route-Running ist für einen Tight End überdurchschnittlich. Er bewegt sich sehr flüssig, geradezu natürlich, über das Feld wie man es eher von einem Wide Receiver vermuten könnte. Bryant verfügt über gute, aber keine großartigen Hände. In seinen guten Szenen fängt er den Ball weich und elegant mit seinen Händen, wie zum Beispiel bei seinem Touchdown-Catch gegen Alabama-Birmingham zu sehen: Den Ball fing er sogar über seinen Kopf fliegend und ließ ihn in die Hände fallen. Bryant neigt aber auch zu, zumeist leichtsinnigen, Drops.

Sein Wille zum Blocken ist da, aber schreibe ich Wille heißt das meist auch, dass sein Blocking eher schlechter als besser ist. Technisch hat Bryant Defizite. Auch seine Kraft scheint nicht auszureichen, so hat er Probleme wenn er Inline aufgestellt und dort blocken muss. Seine Körpergröße gibt aber ihm aber den Rahmen, hier weiter Kraft auszubauen.

Bryant muss in der NFL Fortschritte beim Blocking machen und das in jeglicher Hinsicht. Seine Beweglichkeit und Athletik können ihm schnell helfen, als Receiver eine valide Option zu sein. Doch trotz seiner guten Fähigkeiten als Passempfänger ist das nicht ausreichend, um ihn höher zu platzieren.

Gesehene Spiele: Ohio State, Alabama-Birmingham

8. Jacob Breeland, Oregon

Jacob Breeland war ein Drei-Star-Recruit und verbrachte insgesamt fünf Jahre an der University of Oregon. Breeland konnte aufgrund einer Knieverletzung nicht am Combine teilnehmen und verpasste deshalb auch die zweite Hälfter seiner Senior-Season.

Breelands Stärken sind vorrangig im Run-Blocking zu finden. Hier ist er ein zuverlässiger Blocker und bringt seine Blocks bis zum Pfiff zu Ende. Underneath ist Breeland eine sichere Option für seinen Quarterback, kann mit kurzen Receptions immer wieder als Sicherheit dienen, sollten alle anderen Ziele gedeckt sein. Seine Fähigkeit Yards nach dem Catch zu erlaufen ist limitiert oder besser kaum vorhanden.

In der Pass-Protection hat Breeland Probleme gegen Gegenspieler, die klar stärker sind als er. Durch seine Statur ist hier aber noch Potenzial da, an Masse und Kraft zu zulegen. Breeland kann als Fullback oder Inline-Blocker eingesetzt werden. Er ist aber kein auffällig guter Route-Runner und seine Schnelligkeit und sein Antritt sind stark begrenzt. Und diese Fähigkeiten würden weiter leiden, sollte er noch an Gewicht zulegen. Breeland hat gute Fähigkeit den Ball mit der Hand zu fangen, aber ist stark limitiert bei contested catches. Ist der Ball aber einmal in seinen Händen und an seinem Körper ist er nicht vom Ball zu trennen.

In der NFL sehe ich bei Breeland nur eine limitierte Upside. Um in der NFL eine größere Rolle zu spielen müsste er an Masse zulegen und wäre dann voraussichtlich nur als Blocker eine gute Option. Dazu müsste er aber auch an seiner Pass-Protection arbeiten. Seine Fähigkeiten als Ballempfänger sehe ich kritisch. Nicht, weil Breeland keine guten Hände hat, sondern weil er nicht athletisch genug sein wird auch Downfield Separation vom Verteidiger zu bekommen. Und in Situationen, in denen Breeland eng gedeckt wird, habe ich auf Tape keine Situation gesehen, in denen er fähig war den Ball trotzdem zu sichern.

Gesehene Spiele: Colorado, Auburn, Stanford (2018)

9. Cheyenne O’Grady – Arkansas

Cheyenne O’Grady kommt mit einem sehr interessanten Skill-Set als Receiver daher. Auch wenn seine blanken Statistiken sich nicht wirklich herausragend lesen so hat er schon einige vielversprechende Plays. O’Grady hat sehr sichere Hände, selbst bei sehr harten Hits hält er den Ball fest. Sein Catch-Radius ist groß und er nutzt auch seine gesamte Spannweite aus. Er versucht es auch immer wieder einen sehenswerten One-Handed-Catch einzustreuen, wenn es die Situation erfordert. Und im Spiel gegen Vanderbilt gelingt ihm das auch. Im selben Spiel fängt O’Grady in der Garbage Time auch einen sehenswerten Touchdown in die hintere Ecke der Endzone und das obwohl ihm ein naher Verteidiger massiv stört.

Zum Blocking habe ich überraschend wenig Notizen und das bei einer Körpergröße von 1,96m und 116 Kilogramm Körpergewicht. In den wenigen Snaps die ich sehen konnte blockt O’Grady den Run aber gut frei. Über Fähigkeiten in der Pass-Protection kann ich nur spekulieren.

Ich prognostiziere für O’Grady einen schwierigen Weg in der NFL. Er ist eher ein klassischer Tight-End-2 in einer Offense, die oft auf 12-Personnel zurückgreift. Der seltene Einsatz im Blocking als Indiz für eher schlechte Blocking-Skills werden ihm, sollte er dort wirklich schwach sein, auf die Füße fallen. Zeit zur Entwicklung ist bei ihm auch begrenzt: nach 5 Jahren am College zählt O’Gardy zu den älteren Tight Ends in der Klasse.

Gesehene Spiele: Mississippi, Vanderbilt (2018)

10. Colby Parkinson, Stanford

Mit dem folgendem Spieler bin ich wenig warm geworden. Colby Parkinson wird nach seinem Junior-Year in den NFL Draft 2020 kommen. Parkinson bringt mit 2,01m eine beachtliche Größe mit die ihm erlaubt, mit großem Catch-Radius zu fangen. Seine Hände sind verlässlich, wenn auch nicht Extraklasse. Zuweilen hat er Probleme, wenn er unter Bedrängnis fangen muss. Kurioserweise hatte er diese Problem im Spiel gegen Washington aus der Vorsaison nicht… Was wieder nicht für ihn spricht. Parkinson versteht es aber, sich wenn er mit Press-Coverage verteidigt wird vom Verteidiger zu lösen beziehungsweise sich mit seinen Händen durchzusetzen.

Parkinson ist grundsolide, wenn es ums Run-Blocking geht. In der Regel ist hier zuverlässig, es gibt aber auch Situationen, in denen er seinen Block klar verpasst. Dramtischer wird es, wenn Parkinson im offenen Feld tackeln muss: Hier hat er oft Probleme, mit dem Verteidiger Kontakt aufzunehmen oder sich bei langsam entwickelten Screen-Plays einen Verteidiger zum Blocken zu suchen. In der Pass-Protection wird er so gut wie gar nicht eingesetzt, zumindest habe ich ihn bei keinem Snap in der Rolle gesehen.

Parksinon wirkt unter dem Strich noch sehr roh. Er hat so gut wie keine Highlight-Plays und hat gelegentlich Probleme auch bei Basic-Plays, die er einfach abstellen muss. Was für ihn spricht ist das junge Alter: Parkinson wird seine Rookie-Saison im Alter von zarten 21 Jahren absolvieren. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ihm ein weiteres Jahr auf dem College nicht geschadet hätte und denke, dass auch sein erstes NFL-Jahr eher als Redshirt-Jahr gesehen werden muss, in dem er Zeit hat sich zu entwickeln. Im ersten Jahr sehe ich ihn noch nicht in der Rolle, einem Team weiter zu helfen.

Gesehene Spiele: Central Florida, Northwestern, Washington (2018)

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