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Die Seahawks im NFL Draft 2021: Interior Offensive Line

Der finale Teil meier Draft-Preview zum Draft der Seattle Seahawks. Nachdem Passempfänger und Passverteidiger bereits besprochen wurden geht es heute um die Interior Offensive Line (Guard und Center).

Offensive Line und Seattle Seahawks – zwei Dinge, die nicht so richtig zusammen passen. Über viele Jahre hinweg war die Unit, die eigentlich den Quarterback beschützen sollte, schlichtweg nicht gut. Nachdem 2018 mit Mike Solari ein neuer Coach für die Offensive Line eingestellt wurde konnte sich die Positionsgruppe zumindest etwas verbessern und hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert.

Das ist aber noch immer nicht genug. Wurden über Jahre innerhalb der Fan-Base Verstärkungen für die Angriffslinie gefordert, so hat sich zu Beginn des Jahres auch Quarterback Russell Wilson öffentlich und medienwirksam dahingehend positioniert. Er forderte lautstark Verstärkungen zu seinem Schutz. Kurios hierbei: Russell Wilson trägt mit seiner Spielweise und Angewohnheiten (Plays verlängern, Ball lange halten) auch dazu dabei, dass er häufig gesackt wird. Die Spielweise, die so oft die Football-Fans verzaubert, ist in dieser Hinsicht Fluch und Segen zugleich.

Etwas verwundert konnte man die Aussagen von Wilson auch aufnehmen, da drei der fünf Starter in der Offensive Line für die Saison 2021 fest standen. Mit Left Tackle Duane Brown, Right Guard Damien Lewis und Right Tackle Brandon Shell sollten diese Spots fest besetzt sein.

Anscheinend hat das Front Office die Hilferufe ihres Starspielers aber gehört. Während der Free-Agency tradete man für den Right Guard der Las Vegas Raiders, Gabe Jackson, für einen Fünftrundenpick im diesjährigen Draft. Jackson, der zu Beginn seiner Karriere Left Guard spielte und dort laut Pro Football Focus sogar stärker spielte als auf Right Guard, sollte im Normalfall wieder den Weg zurück auf seine alte Positon finden.

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Um die Offensive Line auf dem Papier aber gut aufzustellen fehlt ein adäquater Center. Ethan Pocic, der letztes Jahr gut in die Saison startete, wurde nach Ablauf seines Rookie-Vertrags erneut unter Vertrag genommen (1 Jahr/3 Mio.). Kurzfristig könnte Pocic eine Lösung sein – den Anspruch an eine mindestens solide Line erfüllt er nicht. Und der Vertrag schreit auch nicht danach, dass Pocic nächste Saison auf jeden Fall der Starter sein muss.


Landon Dickerson – Alabama – #69

Der ehemalige Vier-Sterne-Rekrut konnte eine gute College-Karriere hinter sich bringen. Er startete seine Laufbahn auf der Florida State University, spielte dort drei Jahre und transferierte anschließend zu Alabama. In seiner Zeit bei den Crimson Tide spielte Dickerson sämtliche Positionen der Offensive Line. Seine Zukunft in der NFL wird aber in der Interior Offensive Line liegen. Fragezeichen hinter der Personalie ist die fulminante Verletzungshistorie, allen voran der erlittene Kreuzbandriss im vergangenen Dezember. In seiner Vergangenheit erlitt Dickerson aber schon einen weiteren Kreuzbandriss und mehrere Knöchelverletzungen. Das dürfte einige Teams abschrecken.

Stärken

Dickerson ist ein sehr komplettes Prospect. Er hat eine guten Anker, eine gute Stärke, mit der er sich fest positionieren kann. Im Run-Game ist Dickerson in der Lage, Gegenspieler aus Gaps zu blocken und damit massig Freiraum für seinen Running Back zu kreieren. In Blocks ist Dickerson ausdauernd – er kann die Blocks lange halten und “finished” den Block in großer Regelmäßigkeit.

Schwächen

Mobilität ist das größte Fragezeichen bei Dickerson. Es sollte auf der Center-Position jedoch kein so großes Hindernis werden. Die fehlende Mobilität zeigt sich vor allem, sobald Dickerson das zweite Level erreicht. Hier hat er oft Probleme zum Gegenspieler zu kommen und Blocks zu setzen. Vereinzelt hatte Dickerson gegen Speed-Rusher in der Pass-Protection einige schlechtere Szenen.

Fazit

Dickersons Tape ist nicht immer spektakulär. Für mich ist das aber ein großes Pro-Argument für den Spieler. Dickerson macht einfach seinen Job, wird selten überrumpelt und ist ein fertiger Starter für die NFL. Er kommt mit einer enormen Base-Line in die Liga und kann ab Woche 1 starten. Rein vom Talent könnte Dickerson zwischen Runde 1 und Runde 2 auf den Team-Boards stattfinden. Für die Seattle Seahawks könnte er nur erreichbar sein, sollten einige Teams ihn aufgrund der Verletzungshistorie vom Board nehmen oder tiefer einstufen. Man hat aber schon größere Überraschungen während des NFL Drafts erlebt. Sollte Dickerson an Pick 56, dem ersten Pick der Seahawks, verfügbar sein – ist das für mich ein Pick den ich sofort machen würde. Der Fall ist nur leider äußerst unwahrscheinlich.

Meine Grade: 8,20
Positions-Ranking: 2/11
Round-Projection: Frühe Zweite Runde


David Moore – Grambling State – #60

David Moore kommt von Grambling State, einer öffentlichen, historisch schwarzen, Universität. Das vergleichsweise kleine College spielt Division-I-Football, ist damit nicht in der höchsten Spielklasse vertreten. Mit Moore wurde jetzt aber ein Spieler hervor gebracht, der für mich Starter-Potenzial für die NFL mitbringt.

Stärken

Moore ist ein sehr kräftiger und aggressiver Guard. Im Laufspiel liebt er Lücken frei zu blocken, ist hierbei nicht abwartend, sondern ein sehr aktiver Blocker. Bei Outside-Zone-Läufen ist Moore schnell am Angriffspunkt, in diesen Szenen kann er seine ganze Athletik und Mobilität ausspielen.

Schwächen

Technisch ist Moore noch sehr roh. Seine Handarbeit und Platzierung der Hände ist stark ausbaufähig. Auch seine Fußarbeit hat noch eklatante Schwächen. Häufig geht Moore kopflos in den Gegenspieler, ist dabei dann zu weit nach vorne geneigt. Wird eine längere Pass-Protection von ihm erwartet kann es sein, dass Moore hektisch agiert. Dadurch verliert seine Kompaktheit und ist ein leicht zu schlagendes Ziel. Seltener sieht man auch eine Overextension.

Fazit

David Moore ist ein hervorragender Development-Guard für den dritten Tag im NFL Draft. Durch die gute Mobilität und Athletik bringt Moore rein körperlich einiges an Potenzial mit. Kann ein NFL-Team ihn technisch weiter entwickeln sehe ich Moore als adäquaten Starter. Interessant: Beim Senior Bowl spielte Moore mangels Center auch einige Wiederholungen auf dieser ihm fremden Position. Auch wenn nicht alle Snaps perfekt saßen, so sah der gesamte Bewegungsablauf mit Snap des Balles und dem Start aus dem Stand sehr natürlich aus. Unter Umständen hat Moore also auch Entwicklungspotenzial zum Center. Und könnte so Ethan Pocic, früher oder später, als Starting-Center ablösen.

Meine Grade: 5,81
Positions-Ranking: 9/11
Round-Projection: Fünfte Runde


Mit der Interior Offensive Line schließe ich die Position-Preview für die Seattle Seahawks für den kommenden Draft ab. Im Podcast der German Sea Hawkers habe ich mich in der aktuellen Folge zu den verschiedenen Positionen geäußert. Bei Interesse: Reinhören!