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Die Seahawks im NFL Draft 2021: Wide Receiver

Die Seattle Seahawks gehen bekanntlich mit nicht all zu viel Draft-Kapital in den NFL Draft 2021. Aktuell hat das Team aus dem Pacific Northwest nur drei Picks. Jeweils einen in Runde Zwei, Vier und Sieben.

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Ich möchte euch in drei Teilen einige Prospects vorstellen, die für die Seattle Seahawks interessant sein könnten. Einerseits, weil ein gewisser Bedarf auf der Position besteht. Andererseits, da es sich um Prospects handelt, die in den Sphären der möglichen Picks liegen. Es geht also vor allem um Mid- bis Late-Round-Nachwuchsspieler.

Auch wenn ich großer Verfechter davon bin, den besten verfügbaren Spieler auf dem Board zu wählen, habe ich mir für diese Vorschau drei Positionsgruppen vorgenommen, dessen Lücken im Kader es zu schließen gilt. Beginnen werde ich heute mit den Wide Receivern, es folgen in weiteren Beiträgen Interior Offensive Line (Guard/Center) und Cornerback.

Warum eigentlich Wide Receiver?

Auch wenn die Wide-Receiver-Position mit DK Metcalf und Tyler Lockett in der Spitze gut besetzt ist, so haben in den vergangenen Jahren Offensiven in der NFL gezeigt, wie wichtig eine gute dritte Anspielstation für eine potente Offense ist.

Den Seattle Seahawks fehlte diese dritte, valide Anspielstation in den letzten Jahren. Nach dem Karrierende von Doug Baldwin wurde die Rolle im Slot nie wieder annähernd stark besetzt. Spieler wie David Moore konnten in den vergangenen Spielzeiten immer wieder für Glanzmomente sorgen, aber nicht konstant und verlässlich produzieren. Um diese Lücke zu schließen wünsche ich mir einen Wide Receiver im kommenden NFL Draft 2021. Einer Wide-Receiver-Klasse, die unfassbar stark besetzt ist.

Die aktuelle Draft-Klasse bietet zwar viele typische, kleinere Slot-Receiver. Doch ich würde da in Anlehnung an den Beitrag zu Receiver-Typen vom Sideline Reporter nicht gänzlich zwischen Slot- und anderen Receivern unterscheiden wollen. Es ist wichtig, wie viel Schaden ein guter Wide Receiver anrichtet. Und die Slot-Production sollte ein Beiprodukt des gesamten Ergebnisses darstellen.


D’Wayne Eskridge – Western Michigan – #1

D’Wayne Eskridge hat eine interessante College-Karriere hinter sich, so hat er bis zu seinem letzten Jahr im College nicht Vollzeit als Wide Receiver gespielt. Er war ein Cornerback/Wide-Receiver-Hybrid und hatte Spielanteile auf beiden Seiten des Balles. In seiner letzten Spielzeit bei Western Michigan fing Eskridge 33 Bälle für 768 Yards und 8 Touchdowns – in nur 6 Spielen.

Stärken

Eskridge bringt mit einer 4,4 40-Yard-Dash-Zeit nachweislich Speed mit, den man auch auf Tape sehen kann. Sein Antritt ist äußerst explosiv. Trotz der geringen Körpergröße von 1,76m lässt sich Eskridge nicht leicht aus seinen Routen bringen und ist im Run-Support konstant. An der Line of Scrimmage bekommen die Gegenspieler selten eine Hand an seinen Körper, Grund ist sein guter Release. Mit über 20 Yards pro Reception ist Eskridge ein gefährlicher Deep-Threat, der ein dankbarer Abnehmer für den guten Deep-Ball von Russell Wilson wäre. Außerdem ist Eskridge nach dem Catch brandgefährlich, mit 14,4 Yards nach dem Catch ist er in dieser Disziplin Platz 1 im College-Football.

Schwächen

Mit einer Drop-Rate von 8% und einer Contested-Catch-Rate von 45% lässt sich belegen, dass die Hände von Eskridge nicht die Besten der Klasse sind. Eskridges Route-Tree ist sehr limitiert, hier müsste er in der NFL besser werden. Auch an dem Verkauf seiner Routen (zum Beispiel ein Stop-Go-Fake) muss Eskridge arbeiten. Mit der angesprochenen geringen Körpergröße könnte es sein, dass das Einsatzgebiet von Eskridge in der NFL vornehmlich der Slot wäre.

Fazit

Eskridge ist einer meiner absoluten Draft-Lieblinge im NFL Draft 2021. In ihn sehe ich einen guten System-Fit für die Seattle Seahawks, sei es für den tiefen Ball oder um im neuen Offensiv-Scheme von Shane Waldron einige Yards nach dem Catch zu erzielen. Prognostiziert wird Eskridge aktuell etwa in der dritten Runde.

Meine Grade: 7,42
Positions-Ranking: 7/22
Round-Projection: Dritte Runde


Cade Johnson – South Dakota State – #15

Der sprichwörtliche Elefant im Raum. Cade Johnsons meistgenannter Vergleich zu einem NFL-Spieler ist… Tyler Lockett. Ich bin kein Fan von Spieler-Quervergleichen, ich zitiere diesen Vergleich daher nur. Und wenn ich einen Vergleich ziehen müsste, dann wäre Cade Johnson eher ein gesunder Mix aus Tyler Lockett und Doug Baldwin. Johnson kommt von den North Dakota State Jackrabbits und hat damit FCS Football gespielt. Die leichtere Competition wird Spielern gerne als Schwäche oder Contra-Argument. Die besten Gegenargumente hat Cade Johnson beim Senior Bowl geliefert, in der er reihenweise Cornerbacks von Power Five Conferences in direkten Duellen schlagen konnte.

Stärken

Johnson ist ein außerordentlich guter Route-Runner. Er hat keine Probleme auch Double-Moves in seinen Routen zu laufen und kann mit seinen fluiden Bewegungen Routen präzise abspulen. Sein Antritt ist schnell und seine Richtungswechsel läuft er ohne großen Geschwindigkeitsverlust. Die genannten Eigenschaften gepaart mit seinem Spielverständnis ergeben in Summe eine der wichtigsten Eigenschaft, die man in der NFL beherrschen sollte – das Kreieren von Seperation. Johnson konnte sich auf dem College gut vom Gegenspieler trennen und man erwarten, dass er dies auch auf dem nächsten Level schaffen kann. Sichere Hände und das Prädikat “Hands-Catcher” runden Johnsons Profil ab.

Schwächen

Cade Johnson ist mit einer Körpergröße von 1,78 m vermutlich auf die Rolle im Slot reduziert. Als Outside-Receiver wird Johnson wenig Chancen haben, in Contested-Catch-Situationen kann er sich nicht konstant durchsetzen. Auf College-Niveau war Johnson noch ein ordentlicher Blocker, bewies zumindest eine Menge Effort. In der NFL wird er mit der Schwäche im Oberkörper keine Hilfe im Run-Support sein. Generell waren seine athletischen Tests mit einem RAS von 3,04/10 wenig vielversprechend.

Fazit

Die Projection vom College-Level in die NFL ist sowieso immer sehr schwierig. Wir wissen schlicht zu wenig. Spielt ein Spieler in einem kleineren Programm wird es noch kniffliger. Cade Johnson bringt aber ein gutes Rüstzeug mit. Auch wenn seine Rolle vermutlich auf die des Slot-Receivers begrenzt sein wird. Die wichtigste Eigenschaft bringt Johnson mit (Seperation). Und wenn man ihm die Rolle als dritter Wide Receiver anvertraut wird er das zukünftige NFL-Team sehr glücklich machen. So kann ich mir gut vorstellen, dass Johnson schon am Ende des zweiten Draft-Tages (Runde 3) eine neue Heimat gefunden hat.

Meine Grade: 6,60
Positions-Ranking: 16/22
Round-Projection: Vierte Runde


Tamorrion Terry – Florida State University – #15

Den Abschluss der heutigen Prospects soll ein “echter” X-Receiver machen. Tamorrion Terry von Florida State hat mit 193 cm und 95 kg Gardemaße für die Rolle des Outside-Receivers. In seinen ersten beiden Jahren war Terry äußerst produktiv am College, bis im Junior-Jahr seine Zahlen einbrachen. Konnte er in seinem zweiten Jahr im College noch 91 Yards pro Spiel erzielen, so waren es im letzten Jahr nur 48 Yards. Die Gründe sind vielfältig, aber eine schlechte Offensive Line und miserables Quarterback-Play sollte bei der Evaluation von Terry zumindest berücksichtigt werden.

Stärken

Terry ist mit 193 cm und einer 40-Yard-Zeit von 4,45 Sekunden ein exzellenter Outside-Receiver. Er kann sowohl mit Speed als auch Catch-Point konstant gewinnen und verfügt über einen großzügigen Catch-Radius. Seine Hände sind konstant und er hat nur wenige Drops zu verzeichnen. Sein Route-Tree ist nicht besonders entwickelt, bei Slants, Go-Routes ist er aber in der Lage enormen Schaden anzurichten. Besonders aufgefallen ist mir sein Verkauf der Routen: Bei Slant-Go-Routes (Sluggo) hat Terry seinen Gegenspieler auf die falsche Fährte locken können und hat dann aber auch genug Geschwindigkeit, um daraus Profit zu schlagen. Nach dem Catch ist Terry in der Lage einige Yards nach dem Catch zu erzielen.

Schwächen

Die Hüften von Terry sind nicht die beweglichsten. Das macht sich beim Route-Running auf den genannten Routen nicht sonderlich bemerkbar, fällt aber vor allem bei Routen auf bei denen er auf der Stelle stoppen müsste. Diese Schwäche würde auch eindrucksvoll beim Pro Day zahlentechnisch untermauert: Beim Shuttle lief Terry nur 4,47. Beim 3-Cone-Drill, an dem einst auch Metcalf versagte, lief er eine 7,11. Metcalfs Karriere zeigt auch, dass solche Drills nicht von Bedeutung sein müssen. Dennoch muss man auch beachten, dass Metcalf physisch eine absolute Ausnahmeerscheinung war. Das ist Tamorrion Terry sicherlich nicht.

Fazit

Terry wird aktuell als Prospect gehandelt, welches an Tag Drei des NFL Draft 2021 gezogen wird. Das deckt sich auch mit meiner Einschätzung. Sollten die Seattle Seahawks ähnlich wie letztes Jahr die Receiver-Position erst spät adressieren wollen, so halte ich Terry für einen Spieler mit Potenzial eine zuverlässige Nummer Drei zu werden. Da Terry eher Outside als beispielsweise ein Big-Slot-Receiver für mich ist müsste Lockett beispielsweise öfter in den Slot rücken.

Meine Grade: 5,86
Positions-Ranking: 20/22
Round-Projection: Fünfte Runde


Das war der erste Teil der Seahawks-Preview für den NFL Draft 2021. Im zweiten Teil wird es sich um Cornerbacks drehen, im finalen Teil werde ich mich der Interior Offensive Line widmen.

Bei Fragen, Kritik oder einfach Interesse am Austausch schreibt mir gerne bei Twitter.


Ältere Scouting-Profile der Wide Receiver:

Ja’Marr Chase, LSU

Rashod Bateman, Minnesota

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