Draft 2019 – Picks, Needs, Szenarien

Diese Woche ist endlich soweit, das Highlight der Off-Season steht an: der NFL-Draft! An drei Tagen und in sieben Runden werden die besten College-Spieler ausgewählt. Für viele dieser Spieler der Lohn jahrelanger Arbeit und ein Tag, der die Zukunft eines Spielers verändert.

Auch wenn die Seahawks aktuell nur mit fünf Picks in den Draft gehen dürften es für die Seahawks und deren Anhänger spannende Tage werden. So sind die Seahawks unter Carroll und Schneider für viele Trades während des Drafts bekannt und hatten auch in späteren Runden Erfolg beim Auswählen von Spielern gehabt: beispielhaft wären hier Chancellor (5.Runde), Sherman (5.Runde), Wilson (3.Runde), Wright (4.Runde) oder Carson (7.Runde) zu nennen.

 

Picks

Die Seahawks gehen mit fünf Draft-Picks und damit mit den aktuell wenigsten Picks (gemeinsam mit den Chicago Bears) der NFL in den Draft:

  • Runde 1, Pick 21
  • Runde 1, Pick 29
  • Runde 3, Pick 92
  • Runde 4, Pick 124
  • Runde 5, Pick 159

Die Picks aus Runde 2, 6 und 7 wurden getradet. Der Zweitrundenpick ging schon 2017 nach Houston, um Duane Brown zu akquirieren. Der Sechstrundenpick ging im Trade für Brett Hundley zu den Packers und der Siebtrundenpick nach Oakland, um Safety Shalom Luani zu verpflichten.

Die Seahawks erhielten außerdem keinen Compensatory Pick.

Im Trade mit den Kansas City Chiefs für Frank Clark erhielten die Seahawks Pick 29 in Runde 1 und mussten in Runde 3 die Picks tauschen, picken nun an Stelle 92 statt 84. Außerdem erhielt man einen Zweitrundenpick für 2020.

 

Needs

Viele Needs und wenig Picks. So oder so ähnlich dürfte die erste Einschätzung ausfallen. Die nachfolgenden Needs habe ich für die Seahawks ausgemacht:

  • DE
  • WR
  • S
  • CB
  • TE

Doch sind diese Needs wirklich Needs und müssen diese im Draft adressiert werden?

 

DE

  • Green
  • Jackson
  • Marsh
  • Martin
  • Orchard

Der Star dieser Gruppe war Frank Clark. Er wirkte letzte Saison in 16 Spielen mit und erzielte 13 Sacks, drei Forced Fumbles und fing sogar eine Interception. Sein Rookie-Vertrag lief aus, die Seahawks gaben Clark jedoch den Franchise Tag. Man konnte sich nicht auf einen langfristigen Vertrag einigen, den Franchise Tag unterzeichnete Clark auch nicht. Dienstag Abend war es dann soweit, nachdem die Gerüchte sich in den Tagen zuvor mehrten: Clark zu den Chiefs getradet. Damit fehlt der konstanteste Spieler auf dieser Position.

Für die Tiefe auf der Position haben die Seahawks in der Free Agency zugeschlagen. Nate Orchard wurde verpflichtet. Der ehemalige Zweitrundenpick der Browns spielte in vier Saisons 38 Spiele, den Großteil davon für die Browns, in 2018 drei Spiele für die Bills und ein Spiel für die Chiefs. Dabei brachte er es auf 69 Tackles und 5 Sacks.

Mit Cassius Marsh wurde ein alter Bekannter zurück nach Seattle geholt. Marsh wurde im Draft 2014 in Runde 4 von den Seahawks gepickt, spielte von 2014-2016 hier und kommt nun über die Umwege New England und San Francisco zurück in den Pacific North West. Letzte Saison verzeichnete er für die 49ers in 16 Spielen 5,5 Sacks und 38 Tackles.

Beide Spieler sind für mich Spieler, die in der Rotation der D-Line eine Rolle spielen werden.

Mit Rasheem Green und Jacob Martin stehen zwei Spieler vor ihrem zweiten Jahr. Sie wurden im 2018er-Draft von den Seahawks gepickt. Green spielte im letzten Jahr 10 Spiele für die Seahawks und brachte es auf einen Sack. Sein Impact war im ersten Jahr noch gering. Jacob Martin erzielte in seinem ersten Jahr drei Sacks und vor allem im Saison-Endspurt hat er sich gesteigert und seine Rolle in verschiedenen Packages wurde größer. Green wurde früher gepickt und höher gehandelt, Martin hat bisher aber etwas mehr auf den Platz gebracht. Bei beiden erwarte ich eine Leistungssteigerung als Sophomore und bin guter Dinge, dass diese Erwartungen auch erfüllt werden.

Ein weiterer Rotationsspieler in der D-Line ist Branden Jackson. Er unterzeichnete einen ERFA-Tender und belastet den Cap mit 0,6 Mio. $. Seine Stats für die letzte Saison waren mit 10 Tackles und einem Sack sehr durchwachsen. Prognose: Wird nicht über die Rolle als Rotationsspieler hinauskommen oder fällt sogar noch dem Cut zum Opfer.

Prognose: Nach dem Clark-Trade ist der Bedarf in der Spitze noch größer als zuvor. Hielt ich mit einem Verbleib von Clark mindestens einen Pick auf dieser Position für sinnvoll würde es mich nun nicht mehr wundern, würde man auf dieser Position nun zweimal zuschlagen. Die Tiefe auf dieser Position in dieser Klasse ist zumindest da.

 

WR

  • Baldwin
  • Brown
  • Lockett
  • Darboh
  • Moore
  • Reynolds
  • Scott
  • Turner

Der beste WR der letzten Saison war ohne Zweifel Tyler Lockett: er kratzte mit 965 Yards an der magischen 1000-Yard-Marke und fing 10 Touchdowns. Nachdem Lockett in 2017 noch eine eher durchwachsene Saison spielte, legte er in 2018 Karriere-Bestwerte hin. Gesetzt und Leistungsträger.

Mehr Sorgen macht ein anderer Wide Receiver: Doug Baldwin. Die eigentliche Nummer 1 nahm letzte Saison zwar an 13 Spielen teil, spielte aber immer wieder angeschlagen oder verletzt, erzielte die wenigsten Yards seit 2012 und mit 5 Touchdowns war es für ihn auch eher ein Down-Year. Doch damit nicht genug: Baldwin unterzog sich in der Off-Season sage und schreibe drei Operationen. Wenn ich einem zutraue nach diesen Eingriffen zu alter Stärke zu finden und unter der Annahme, dass die Operationen ihn auch wirklich beschwerdefrei spielen lassen, dann ist es Baldwin.

Hoffnungsträger auf dieser Position ist David Moore. Er hatte in 2018 eine gute Phase von Woche 4 bis Woche 12, war danach aber bis zum Ende der Saison wie abgemeldet. Zu Beginn der Saison stand im Depth Chart noch hinter Brandon Marshall, spielte sich dann aber in Vordergrund. Bringt er das, was er schon in einem längeren Stretch in der letzten Saison zeigen konnte, könnte Moore vor einem Breakout-Jahr stehen.

Der Rest der WR-Gruppe war wenig auffällig. Jaron Brown erzielte mit nur 14 Receptions 5 Touchdowns, war ein beliebtes Red-Zone Target von Wilson. Malik Turner und Amara Darboh dürften noch zwei Prospects sein, dessen Entwicklung man mit Spannung verfolgen kann.

Prognose: Auch hier werden die Seahawks zuschlagen und wieder fällt der Jahrgang zu Gunsten der Seahawks. Diese Klasse ist wieder tief mit WR besetzt, auch in späteren Runden sollten noch gute Receiver zu haben sein. Die Zukunft von Baldwin ist ungewiss, neben Lockett fehlt ein konstanter Receiver, wobei Moore am vielversprechendsten ist. Und man kann sich nicht darauf verlassen, dass einer aus Darboh oder Turner den Durchbruch ausgerechnet jetzt schafft oder das Brown eine größere Rolle einnimmt. Eine Verstärkung würde den Seahawks gut zu Gesicht stehen und Wilson eine weitere Waffe geben.

 

S

  • Luani
  • Evans
  • Hill
  • McDougald
  • Thompson

Der einzige klare Starter in dieser Gruppe ist Bradley McDougald. Er kann sowohl SS als auch FS spielen, spielte in den letzten zwei Saisons jedes Spiel für die Seahawks. In 2018 mit 78 Tackles, 3 Forced Fumbles und 3 Interceptions. Gesetzt und Leistungssträger.

Tedric Thompson und Delano Hill rückten letzte Saison nach der Verletzung von Earl Thomas ins Starting Line-Up. Mal mit besseren, mal mit schlechten Leistungen. Pete Carroll sieht das ganze zuversichtlicher, ist zufrieden mit den Leistungen und Entwicklungen der Spieler und nimmt man die Historie von Carroll und den Defensive Backs, dann kann man durchaus noch Entwicklungssprünge von beiden Spielern erwarten.

Prognose: Ich rechne nicht mit einem Pick auf der Safety-Position, zumindest nicht in den frühen Runden. Die Needs auf den anderen Positionen sind, nimmt man Carrolls Worte zu Rat, einfach größer beziehungsweise sieht er auf S nicht den Bedarf.

 

CB

  • Griffin
  • Flowers
  • Thorpe
  • King
  • Reed
  • Boykins

CB1 und CB2 scheinen mit Griffin und Flowers klar besetzt. Griffin hatte nach einem starken Rookie-Jahr als CB2 und mit Sherman auf der anderen Seite ein gutes Jahr. Im zweiten Jahr tat er sich zunehmend schwerer. War sein Saisonstart noch vielsprechend, vor allem nach zwei Interceptions im Spiel gegen die Bears, hatte Griffin immer wieder Probleme, verpasste seine Coverage und tackelte schwach. Auch zunehmende Penalties, vor allem DPI nachdem er sich nicht zum Ball drehte, sondern einfach in den Receiver reinlief, mehrten sich. Sein wohl schwächstes Spiel macht er in den Play-Offs gegen die Cowboys, welches er zu seiner Verteidigung auch angeschlagen bestreiten musste.

Flowers hatte zu Beginn der Saison Probleme, im Scheme der Seahawks klar zu kommen. Im College noch Safety war für Carroll sofort geplant, Flowers als CB zu nutzen. Nach einer Eingewöhnungsphase und anfänglichen Schwierigkeiten stabilisierte sich Flowers mit zunehmender Spielzeit und war eine echte Überraschung. Ich würde sogar so weit gehen, dass Flowers der bessere CB im direkten Vergleich war.

Schmerzlich ist der Abgang von Justin Coleman. Er verließ die Seahawks in Richtung Detroit in der Free Agency und wurde zum bestbezahltesten Slot-Cornerback der Liga. Einen Preis, den die Seahawks nicht zahlen wollten und konnten.

Mögliche Alternativen für Coleman sind Akeem King und Kalan Reed. King zeigte schon Ansätze in diese Richtung, so half er entscheidend im Spiel gegen die Chiefs, Travis Kelce zu limitieren und hinderte ihn an einem Touchdown. Kalan Reed spielte letztes Jahr noch kein Spiel, konnte sich aber ein Jahr an das Scheme gewöhnen und bringt viele Anlagen mit, die ihm zu einem möglichen Kandidaten für diese Rolle machen. Sollte mehr Interesse an Reed vorhanden sein lege ich ihm diesen Artikel der FieldGulls ans Herz.

Prognose: Ein echter Star-Corner wie Sherman es in seiner Prime war haben die Seahawks aktuell nicht im Kader. Diese Baustelle sehe ich aber wenn auch erst im nächsten Jahr, sollten sich Griffin und Flowers nicht wie erhofft entwickeln. Ich könnte mir vorstellen, dass man spät im Draft nach einem CB Ausschau hält, den die Seahawks als Slot-Corner einsetzen könnten, aber als wirklich sicheren Pick sehe ich auch das nicht. Daher ist mein Tipp aktuell, dass die Seahawks keinen CB draften werden.

 

TE

  • Dissly
  • Dickson
  • Vannett
  • Swoopes

Die TE-Gruppe der Seahawks haben ich einem eigenen Beitrag schon ausführlich betrachtet. Als kurzes Fazit der Vollständigkeit halber:

„Mich würde es daher nicht wundern, sollten die Seahawks im Draft an Tag 2 oder 3 noch einen zusätzlichen TE draften, um sich für die Zukunft besser aufzustellen.“

 

Szenarien

Das wahrscheinlichste Szenario war bis zum Clark-Trade, dass die Seahawks runter traden, um sich zusätzliche Picks zu sichern. Nun hat man jedoch zwei Picks in der ersten Runden. Ich rechne jetzt eher damit, dass zumindest einmal in der ersten Runde gepickt wird. Voraussichtlich wird der 29. Pick wirklich genutzt und, so vermute ich es zumindest, wird der Pick an Stelle 21 getradet, um den ein oder anderen Zweit- oder Drittrundenpick zu generieren.

Daher ist meine Schätzung, dass die Seahawks aus vormals vier Picks, mit denen sie in den Draft gingen, mindestens acht Picks generiert haben.

Es gibt ein paar Needs, die dringend adressiert werden müssen (DE und WR) und andere Positionen, auf denen man sich etwas Konkurrenz dazu holen könnte, vor allem in der gesamten Secondary.

 

Der zusätzliche Erstrundenpick sollte den Draft nicht nur, aber vor allem auch für Seahawks-Fans deutlich interessanter gemacht haben. Musste man vermuten, die erste Runde und damit die Nacht wach zu bleiben, ohne einen neuen Spieler in Seattle begrüßen zu dürfen, ist diese Wahrscheinlichkeit nun geringer.

Der Draft kann beginnen!

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