Fantasy Football: BPA vs. MIPA

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So macht Schreiben am meisten Spaß. Nachdem ich meinen Beitrag zur Zero-RB-Strategie veröffentlichte gab es von Raphael von Upside Fantasy (Folgt ihm auf Twitter @RaphaelUpside) wertvolles Feedback. Er sprach sich gegen meinen letzten Absatz aus in dem ich dazu aufrief immer den besten verfügbaren Spieler (Best Player Available) am Draft-Day auszuwählen und spielte damit darauf an, dass man den MIPA (Most Impactful Player Available) nehmen sollte. Diese beiden Ansätze möchte ich im Folgenden einmal gegenüberstellen.

Ausgegangen wird von Redraft-Ligen mit 12 Teams, Half-PPR-Scoring.

Best Player Available (BPA)

Beim BPA ist die Vorgehensweise ziemlich simpel: Du nimmst den Spieler, der auf deinem persönlichen Draft-Board ganz oben steht. Dabei werden hier aber Overall-Rankings zu Grunde legt – Es wird nicht unterschieden, welche Position der Spieler spielt, sondern einfach seine Leistungsfähigkeit in Form von Punkten, die ihm vor der Saison durch Projections zugeschrieben werden.

Die Schwäche dieses Systems: Nicht jede Position ist mit der gleichen Dichte ausgestattet und hat den gleichen Wert im Fantasy Football. Grundsätzlich sind Running Backs und Wide Reciver wertvoller für dein Team als Quarterbacks – anders als im realen Football. Die Unterscheidung gibt es beim BPA nicht.

Most Impactful Player Available (MIPA)

Beim MIPA wird der Positional Value mit einkalkuliert und die Positionen anders gewichtet. Die Frage ist nicht mehr “Wer ist der beste Spieler auf dem Board?” sondern “Welcher Spieler hat den größten Einfluss auf mein Team?”.

Es wird berücksichtigt, wie viele gute Spieler es in den einzelnen Positionsgruppen gibt und wie groß Drop-Off an Punkten in den einzelnen Positionsgruppen ist. Die Elite-Quarterbacks wie Patrick Mahomes und Lamar Jackson oder die Elite-Tight-Ends George Kittle und Travis Kelce waren letztes Jahr sichere Punktegaranten für dein Team. Wählst du diese Spieler dieses Jahr gehen sie in den ersten drei Runden vom Board. Da es aber viele Quarterbacks oder Tight Ends gibt, die in den einzelnen Wochen an die Punktzahlen dieser Spieler heran reichten und diese Positionen im Überfluss vorhanden sind lässt du damit wertvollen Value liegen. Es gibt beim Fantasy Football mindestens 32 Starter auf Quarterback, von denen ein Großteil als Streaming-Option für einzelne Woche aushelfen können.

Wichtiger und einflussreicher wäre ein Elite-Running-Back, den du zu Beginn des Drafts ziehen musst, gewesen. Es gibt aktuell 15 Lead-Backs, in den meisten Ligen benötigst du zwei Starter auf der Position und bei 12 Teams kann man nun selbst leicht erkennen, wie wenig Tiefe es auf dieser Position gibt. Der Pick eines Running Backs in den ersten Runden ist um vielfaches wertvoller als die eines Quarterbacks.

Ab Mitte des Drafts ist aber auch darauf zu achten, eine Position nicht zu vernachlässigen. Wenn du nur zwei Wide Receiver starten kannst und sogar die oft standardmäßigen zwei Flex-Positionen mit Wide Receivern ausstattest bringt dich ein fünfter Wide Receiver nicht mehr weiter. Gemäß dieses Beispiels hättest du aus sechs Runden fünf Wide Receiver in deinem Team, aber nur einen Running Back.

Warum ich unbewusst wohl schon MIPA ausgeführt habe

Ich bin Anhänger vom Tier-basierten Rankings. Ich unterteile dabei Spieler in verschiedene Tiers – Es sind Gruppen, nach denen der vermutliche Drop an Production größer ist als innerhalb der Gruppe. Wenn man sich streng an dieses Schema hält würde man im Normalfall relativ früh einen Quarterback oder Tight End picken. Mir wird aber seit ich Fantasy Football spiele und das völlig zurecht eingetrichtert, dass man Quarterbacks und Tight Ends im Draft vernachlässigen sollte (Bestimmte Settings ändern diese Vorgehensweise). Diese Positionen gibt es im Überfluss und der Wert für Spieler ist hier einfach geringer.

Beim tier-basierten Draft sollten Running Backs und Wide Receiver frühzeitig adressiert werden, ich bin Verfechter davon Quarterbacks und Tight Ends spät zu draften oder gar zu streamen. Um das Ganze plakativ darzustellen:

In der Regel ist es so, dass ein Running Back aus Tier 3 (Beispiele: Josh Jacobs, Kenyan Dranke, Chris Carson) dir auf eine Saison gesehen mehr bringt als ein Quarterback aus Tier 2 (Deshaun Watson, Josh Allen, Matt Ryan). Würde man streng nach den Tiers draften ohne den Positional Value zu berücksichtigen würde man die genannten Running Backs, die ziemlich sicher Lead-Backs (rar gesät) sind, auf dem Board lassen und sich einen Quarterback ziehen, bei dem der Drop an Punkten nicht so groß ist und es vor allem in Redraft-Formaten auch in den mittleren und späten Runden oder sogar über das Waiver Wire adressiert werden kann.

Dadurch das ich Quarterbacks oder Tight Ends erst spät drafte und schon immer Running Backs oder Wide Receiver vorgezogen habe habe ich automatisch viele Aspekte des Draften nach MIPA berücksichtigt – ohne es je gewusst zu haben.

Es ist aber an der Zeit dieses Wording zu ändern und ich hoffe ich konnte dazu einen ersten kleinen Beitrag leisten. Draftet nach MIPA, nicht nach BPA!

Tobias

Schreibe über Seattle Seahawks und die NFL. Besondere Liebe zum Fantasy-Football. NFL Draft und Prospect-Fan. Mitglied der German Sea Hawkers e.V.-Redaktion und Ballhawks-Podcast-Rookie.