Hawks Nest I – L.J. Collier

Nachdem der NFL Draft 2019 vorüber ist haben wir Gewissheit: Es gibt sage und schreibe elf neue Rookies bei den Seattle Seahawks. Diese möchte ich in meiner neuen Serie, dem Hawks Nest, ausführlich vorstellen.

Hawks Nest wird ab jetzt jede Woche Mittwochs veröffentlicht.

Heute im Hawks Nest, unser Erstrundenpick: DE L.J. Collier!

Fact Sheet

Kurzinfos Combine Stats
College: TCU 40 Yard Dash: 4.91
Position: DE Bench Press: 25
Größe: 1,89 m Vertical Jump: 30.0
Gewicht: 128 Kg Broad Jump: 118.0
Armlänge: 86 cm 3 Cone Drill 7.71
Hände: 25 cm 20 Yard Shuttle: 4.78

 

College Stats 2018
Spiele Tackles Tackles Assist Solo Tackles Tackles for loss Sacks Passes Def.
11 42 27 27 11.5 6.0 4

 

Werdegang

L.J. Collier ist in Texas geboren, hat die dortige High School besucht und dabei mitgeholfen, dass die Moguls die State Championship 2012 gewannen. In diesem Spiel blitzte sein Talent besonders auf: sechs Tackles, ein Sack, ein Forced Fumble, ein Pick Six. Nichts anderes als der Defensive MVP sprang für ihn dabei hinaus.

2014 unterzeichnete Collier dann ein Football-Stipendium an der TCU in Texas. Die erste Saison wirkte Collier nur an einem Spiel mit. Im zweiten Jahr an der Universität spielte Collier in allen 13 Spielen.

Als Senior bekam Collier 2018 endlich die Chance, als Starter zu spielen. Und diese Gelegenheit nutzte er, wie man der Statistik entnehmen kann, wurde ins 1st Team All-Big 12 berufen und krönte seine Saison mit einem Sieg im Bowl-Game gegen California und einer Einladung zum Senior Bowl, in dem Collier einen Sack und einen Forced Fumble verzeichnen konnte.

Collier ist ein Spieler, der bei jedem Snap sehr aggressiv und mit viel Effort spielt. Schneider beschrieb ihn als „Chip-on-his-shoulder guy“, ein Prädikat, welches man im Zusammenhang mit neuen Spielern der Seahawks in der Vergangenheit mehr als einmal vernehmen konnte.

Diese Einstellung stach auch in den Interviews heraus, leider aus einem tragischen Grund: seine Mutter starb während seines Freshman-Years an Krebs. Sie bedeute ihm alles, sie war seine Motivation. Sie hat sich jedes Spiel von ihm angeschaut und an ihn geglaubt. Und diese Einstellung möchte Collier nun auch in seine NFL-Zeit mitbringen. Collier sagte folgendes im Telefonat mit Pete Carroll, nachdem er gedraftet wurde:

„My mother means the world to me. She’s watched me play every game and she believed in me all the time. I know that she was thinking of me tonight and she was with me here tonight. That’s why I’m going to give it my all, because I’m going to give my all for her like I did in college. Nothing’s changed; I’m still hungry and I’m still ready to go.”

Spielerisch wird Collier immer wieder mit Michael Bennett verglichen. Er ist flexibel einsetzbar, kann sowohl innen als auch außen in der Line spielen. Er bringt alle Anlagen mit, passt ins Scheme der Seahawks.

On Tape

Das erste was auffällt, wenn man sich Collier auf Tape anschaut: Kraft. Hierzu ist folgender Vergleich beeindruckend:

Mit großer Regelmäßigkeit bewegt er den Tackle, wie es ihm grad in den Sinn kommt. Collier setzt dabei sehr auf den Bull-Rush, seine sonstigen Pass-Rush Techniken sind durchaus noch ausbaufähig.

Collier liest den Tackle jedoch sehr gut, mit kurzen Finten im Bewegungsablauf gelingt es ihm, den Tackle auf den falschen Fuß zu erwischen und sobald der Tackle dann schlecht steht setzt er seine gesamte Kraft ein. Eine typische Szene im Spiel gegen Texas Tech: Collier startet, schafft es den O-Liner zu bewegen, schiebt sich samt O-Liner in den QB und löst sich dann vom Tackle, um den Sack zu beenden.

Neben der unglaublichen Kraft, die vorhanden ist, sticht seine Motivation und Einsatz bei jedem Snap heraus. Im Spiel gegen West Virginia, welches 10-47 verloren ging, steckte Collier nie auf, versuchte immer noch sein Spiel ganz unabhängig vom Spielergebnis durchzuziehen.

Collier schaffte es, regelmäßig Pressure auf den QB aufzubauen. Hierzu folgende Statistik von PFF, die diesen Eindruck, den man mit dem Auge hat, auch mit Zahlen belegt:

Im Laufspiel ist Collier grundsolide, er liest den Lauf oft richtig und sobald er in Reichweite ist setzt er seine Tackles. Was auffällt: Collier setzt auch bei Passspielzügen immer zuerst den Edge. Das bedeutet: er versucht den Druck über außen aufzubauen, damit falls es ein Laufspielzug wird der RB keine Möglichkeit hat, außen am Offensive Tackle vorbei zu laufen. Aus der Vergangenheit weiß man, dass das eine Eigenschaft ist, die Carroll gerne in der D-Line sieht und das unterstreicht auch noch einmal den Scheme-Fit von Collier bei den Seahawks.

Apropos Scheme-Fit: Collier wurde oft mit Michael Bennett verglichen. Ein Spieler, der im Trikot der Seahawks eine großartige Karriere hinlegte. Wie Bennett ist auch Collier sowohl Inside oder Outside (DT/DE) in der D-Line zu gebrauchen. Dies kann je nach Package eine weitere Möglichkeit zu sein, die gegnerische Offense vor dem Snap zu verwirren oder bessere Match-Ups auszuspielen.

Kommen wir nun aber explizit zu den Schwächen von Collier. Collier mangelt es an Beweglichkeit und Athletik. Probleme bekommt er, wenn die Offense beispielsweise einen Counter– oder Misdirection-Spielzug läuft. Weiterhin fällt es auf, dass er Probleme hat, den Sack zu vollenden, wenn der QB sich gut in der Pocket bewegt oder notgedrungen oder designt scrambeln muss. Hier fällt es Collier schwer, bei den schnellen Richtungswechseln mitzuhalten.

Diese Schwäche bei Richtungswechseln sieht man auch in seinem etwas langsamen Get-Off. Wenn es gegen NFL-Kaliber OT ging, wurde Collier öfter aus dem Spiel genommen.

Hierzu zwei Szenen, in denen man seine mangelnde Athletik sieht:

Was mir weiterhin auffiel: Collier wurde oft in Double-Teams genommen. Und doch gewann er beeindruckend viele Duelle und konnte sich mit seiner Kraft doch durchsetzen. Zu sehen vor allem in den Spielen gegen Texas und Baylor.

Zum Spiel gegen Baylor aber noch zwei Szenen, die mich sehr beeindruckten. Bei 3&1 ist die Offense im Heavy-Set auf dem Feld. Collier gelingt es entscheidend, das Play direkt nach dem Snap zu stören, seine Mitspieler bringen es im Anschluss zu Ende und tackeln den RB.

Direkt im Anschluss 4&3, Baylor spielt den Versuch aus. Collier bewegt auf seiner Seite den Tackle entscheidend, ein LB, der blitzt, kann an seiner Seite vorbeipreschen und den QB sacken.

Um den Eindruck von Collier zu unterstreichen hierzu eine statistische Aufbereitung von PFF über Colliers Leistungen im College:

Fazit

Collier ist technisch und athletisch nicht der beste DE dieser Klasse, soviel ist klar. Er ist aber genau das, was die Seahawks wollen. Nicht nur seine Einstellung und Mentalität, die neben und auf dem Feld heraussticht. Seine Kraft, die es ihm ermöglicht, Tackles teilweise zu dominieren, sind genau passend für den Smashmouth Football, den die Seahawks letztes Jahr vor allem in der Offense mit der garstigen O-Line und dem Laufspiel etabliert haben und der auch ein Erfolgsrezept in der erfolgreichsten Zeit des Franchises in der Defense war, über die Legion of Boom muss man wohl keine weiteren Worte verlieren.

Collier bedient einen dringenden Bedarf in der Seahawks-Defense und dürfte damit auch ab Woche 1 Starter sein. Was ich auf dem nächsten Level sehen will ist die Verfeinerung seiner Pass-Rush Moves. Er wird auch weiterhin Tackles lesen und mit dem Bull-Rush bearbeiten können, sollte dieser Plan aber nicht funktionieren wird oder er einem kräftemäßig ebenbürtigem Gegenspieler gegenüber stehen habe ich die Befürchtung, dass man ihn dadurch oder durch geschickte Double-Teams gänzlich aus dem Spiel nehmen kann.

Damit die gegnerischen Offenses sich nicht darauf einstellen können, nur Collier auszuschalten, ist noch weitere Hilfe für den Pass-Rush nötig. Verschiedenste Namen sind da denkbar, erst gestern besuchte Ezekiel Ansah die Seahawks.  Diese Baustelle ist offensichtlich auch intern erkannt und bekannt und wird noch adressiert werden.

Ich glaube, dass Collier eine unmittelbare Verstärkung darstellen wird. Er wird voraussichtlich Starter sein und mit seiner Spielweise einen direkten Impact haben. Wichtig wird sein, wie er seine Techniken verfeinert und sich weiterentwickelt.

Damit Herzlich Willkommen im Hawks Nest, L.J. Collier!

Nächste Woche im Hawks Nest: S Marquise Blair

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