Hawks Nest V – Gary Jennings

Nachdem der NFL Draft 2019 vorüber ist haben wir Gewissheit: Es gibt sage und schreibe elf neue Rookies bei den Seattle Seahawks. Diese möchte ich in meiner Serie, dem Hawks Nest, ausführlich vorstellen.

Heute im Hawks Nest, Pick #120 des 2019 NFL Draft: WR Gary Jennings

Bisherige Spieler im Hawks Nest:

Fact Sheet

Kurzinfos Combine Stats
College: West Virginia 40 Yard Dash: 4,42
Position: WR Bench Press: 20
Größe: 1,85 m Vertical Jump: 37.0
Gewicht: 97 Kg Broad Jump: 127.0
Armlänge: 82 cm 3 Cone Drill 7.32
Hände: 24 cm 20 Yard Shuttle: 4.15

 

College Stats 2018
Spiele Receptions Yards Yards/Avg Touchdowns
11 54 917 17.0 13

 

Werdegang

Gary Jennings ging in Virginia auf die Colonial Forge High School in Stafford. Dort spielte er noch Quarterback, Wide Receiver und Safety.

Nach seiner High School hat sich Jennings für die West Virginia University entschieden, um dort College Football zu spielen. In seinen ersten beiden Jahren spielte Jennings zwar in allen Spielen, aber nur mit limitierter Rolle: in insgesamt 21 Spielen in zwei Jahren verbuchte er lediglich 17 Receptions für 281 Yards und 3 Touchdowns.

Im dritten Jahr am College gelang ihm dann der Durchbruch. In der Saison 2017 durchbrach Jennings die 1000-Yard-Marke in 13 Spielen, fing jedoch nur einen Touchdown.

Doch dies sollte nicht so bleiben: in seinem Senior-Year spielte Jennings in 11 Spielen, erzielte 917 Yards und sage und schreibe 13 Touchdowns. Damit war er am College ein sehr produktiver Spieler.

Jennings kreierte bei der Combine ziemlich wenig Aufmerksamkeit, trotz seiner guten Statistiken. Seine Combine-Werte sind auch ordentlich gewesen, mit Ausnahme des 3 Cone Drill. Dieser Disziplin wird bei den Seahawks anscheinend wenig Bedeutung zugeteilt, auch DK Metcalf war in dieser Disziplin schlecht.

An Selbstvertrauen mangelt es Jennings jedenfalls nicht. Im Interview mit dem Draft Wire sagt er, dass seine Zahlen ja für ihn sprechen würden und er müsste zu den Top Receivern im Draft gezählt werden. Außerdem bezeichnet er sich selbst als Playmaker und das er das Gesicht eines Franchises sein könne. Jennings spricht auch hier von einem Staring Contest, den er im Rahmen der Combine mit einem Team machen musste, nannte aber nicht das Team. Hier wird es sich aber vermutlich wieder mal um die Seahawks handeln.

Für Fans der Advanced Stats ist Jennings ein Top Receiver im Draft. Die folgenden Stats und Erklärungen habe ich aus einem Artikel der SB Nation über Jennings.

In seinem Senior Year ist Jennings auf Platz 3 bei der „Marginal Efficiency“: Ein Stat der beschreibt, wie erfolgreich ein Play war. Als Beispiel: Ein 12-Yard Catch bei 3&18 ist weniger wert als ein 7-Yard Catch bei 3&5.

Außerdem weist Jennings die viertbeste Catch Rate (74%) und ist Erster bei der Success Rate, die beschreibt, wie oft ein Receiver die Offense „On Schedule“ hält, wenn zu ihm geworfen wird. Beispiel: First Down = Hälfte der erforderlichen Yards. Second Down = 70% der Yards. Third Down = 100% der Yards)

Und um das Ganze abzuschießen: Jennings war außerdem Vierter in Yards per target.

Statistiken und Zahlen sind immer wieder interessant. Doch warum generierte Jennings dann kein so großes Interesse wie man es anhand der Zahlen erwarten konnte? Ist es etwas, was man nur auf dem Platz sehen konnte?

On Tape

Auf diese Antwort habe auf Tape keine wirkliche Antwort gefunden.

Zuerst einmal zu Jennings: Er ist ein Receiver, der überwiegend im Slot eingesetzt wird. Dabei läuft er häufig eine einfache Route quer zur Line of Scrimmage oder läuft aus dem Slot vertikale Routen.

Jennings Schwächen wirken erstmal sehr klein und marginal, zumindest auf dem College-Level.

Jennings hat Probleme, wenn er den Ball weg vom Körper fangen muss. Dabei kommt es gelegentlich zu Drops.

Seine Fähigkeit bei den Yards after catch ist limitiert, er ist sobald er dann Ball in den Händen nicht sonderlich schwer zu fassen oder kreativ mit den Aktionen, die er dann macht. Wenn er einmal Tempo im offenen Feld aufnimmt ist er trotzdem in der Lage, viele Yards zu erlaufen.

Jennings könnte schematisch die Rolle von Doug Baldwin in der Seahawks-Offense einnehmen und als Slot-Receiver agieren. Aus dem Slot ist Jennings aber auch sehr gefährlich, wenn er vertikale Routen läuft. Ein gern genommenes Mittel in der Seahawks-Offense.

Seine stärksten Szenen hatte Jennings auch, wenn er eben die vertikale Route aus dem Slot gelaufen ist. Er startet mittig, täuscht dann auch gerne mal die Crossing-Route an, um dann vertikal durchzustarten. Jennings ist, sobald in der Secondary angekommen, sehr gut darin, die Soft Spots der Zonen-Verteidigung zu attackieren und dort für genug Freiraum für ein Anspiel zu sorgen. Weiterhin versucht er selten, underneath zu bleiben, sondern stößt auch sehr aggressiv in die Tiefe des Feldes vor.

Auch in den kurzen Plays weiß Jennings aber als sicheres Ziel für seinen Quarterback zu überzeugen. Hier gelingt es ihm, Seperation herzustellen, aber auch in engen Fenstern fängt er den Ball sicher.

Auch wenn seine YAC-Fähigkeit durchaus noch auszubauen ist, so scheut Jennings sich nicht, wenn nötig, den Kontakt mit dem Verteidiger zu suchen, um weitere Yards zu erzielen. Seinen Wille zum Blocken ist in mehreren Szene zu beobachten, auch das dürfte ein nicht unwichtiger Aspekt in der vom Lauf geprägten Offense sein, zu der er nun dazu stößt.

Das Lesen von den Soft Spots in der Zonen-Verteidigung ist ein Indiz, was für seinen Football-IQ spricht, genau wie das Blocken in den richtigen Momenten. Ein weiterer Beleg für seine Spielintelligenz ist ein Play aus dem Spiel gegen Tennessee: Jennings bewegt sich in Motion, nach dem Snap brilliert er mit einem Blitz Pick-Up, indem er den Verteidiger bumpt, was seinem Quarterback, Will Grier, die nötige Zeit verschafft, um einen langen Pass auf Sills zu werfen, der in einem Touchdown endet. Solche Plays sind jene, die ich sehr gerne sehe. Spricht dafür, dass der Spieler nicht nur stumpf seiner Rolle nachgeht, sondern in den richtigen Momenten gedanklich voll da ist, um dem Team anderweitig zu helfen.

Sobald der Quarterback scrambelt braucht Jennings zeitweise zu lange, um sich vom Play zu lösen und den Scramble-Drill aufzunehmen. Macht er dies frühzeitig macht er das aber durchaus geschickt, wie im Spiel gegen Kansas State 2017, bei dem er Grier dadurch zu einer langen Completion verhalf.

Fazit

Ich muss zugeben, dass ich durchaus etwas Vorfreude entwickelt habe. Seine Schwächen wirken so klein, viel kleiner als ich mir das beim Zeitpunkt des Picks gedacht habe. In der NFL wird sich zeigen, ob er seine Stärken wie zum Beispiel das Lesen und Bespielen der Zonen-Verteidigung in der Secondary, der Man-Coverage im Slot so ausspielen kann wie auf dem College, da ihn dort einfach andere Gegenspieler erwarten wird.

Er krierte im College ziemlich konstant Seperation, auch hier wird man sehen müssen, ob er das auf dem nächsten Level genau so abrufen kann.

Seine Fähigkeiten, Contested Catches zu fangen, in engen Fenstern zu fangen, unter Bedrängnis zu fangen ist etwas, was ihm auch in der NFL nicht abgehen wird und eine gute Grundlage für alles weitere bilden wird.

Die Seahawks könnten hier in der vierten Runde einen wirklichen Sleeper gedraftet haben, der ihnen, wenn alles gut läuft, schnell weiterhelfen wird. Er hat auf der Position sehr viel Konkurrenz, sodass für ich eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben möchte. Vor ihm stehen sicher Lockett und Metcalf, vermutlich auch Moore und Brown. Und dann streitet er sich mit vielen Wide Receivern um die Plätze hinter diesen Spielern um die Plätze dahinter um die Roster-Plätze. Ins Roster wird er es aber sicher schaffen.

Damit Herzlich Willkommen im Hawks Nest, Gary Jennings!

Nächste Woche im Hawks Nest: G Phil Haynes.

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