Jordyn Brooks – Der Erstrundenpick der Seahawks im Schnellcheck

Die Seattle Seahawks haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mal wieder alle überrascht. Sie haben das erste Mal seit 2011 ihren originalen Erstrundenpick für einen Spieler verwendet (damals war es James Carpenter). Eigentlich war der Plan nämlich, einen Trade mit den Green Bay Packers einzufädeln, die dann aber auf den 26. Spot gingen, um sich Quarterback Jordan Love von Utah State zu nutzen. Brian Gutekunst, GM der Packers, meldete sich mit den Worten “Sorry, we got a better deal!”, worauf John Schneider nur “it happens.” entgegnen konnte.

Auch mit der Spielerauswahl schockierten die Seahawks die NFL und einen Großteil der Seahawks-Fans. Die Wahl fiel auf den Linebacker Jordyn Brooks von Texas Tech. Und damit nicht unbedingt einer der Positionen, bei dem man von einem frühen Pick ausgehen konnte. Laut den Verantwortlichen war Brooks auf ihrem Board aber der “best player availaible”.

Kurzinfos

  • Alter: 22 Jahre
  • College: Texas Tech
  • Größe: 185 cm
  • Gewicht: 108 kg
  • Spiele im Senior-Jahr: 11
  • Tackles: 108 (66 Solo, 42 Assist)
  • Sacks: 3
  • Fumbles: 1 forcierter Fumble, 2 Fumble recovered

Stärken

Brooks ist ein intelligenter Linebacker der es versteht, dass Spiel zu antizipieren. 108 Tackles in 11 Spielen sprechen da doch eine recht deutliche Sprache, Brooks ist sehr oft am Ort des Geschehens. Einmal dort angekommen ist Brooks ein konstant und guter Tackler, der sehr sicher seinen Gegenspieler zu Boden bringt und dabei aber auch stets gute Winkel für sich beansprucht. Sehr gefallen hat mir Brooks, wenn er als Quarterback-Spy (Der Linebacker hat hier immer den Blick auf den Quarterback und bewacht diesen, vornehmlich eingesetzt bei Dual-Threat-Quarterbacks, die auch selbst über den Lauf gefährlich sind) eingesetzt wurde. Hier ist er sehr geduldig, verliert den Spieler nicht aus den Augen und läuft der Quarterback tatsächlich selbst hat Brooks einen guten Closing-Speed, um schnell zum Quarterback zu kommen. Das spricht für seinen Antritt, den er vor allem im Laufspiel als Gap-Shooter gut nutzt.

Schwächen

Brooks ist athletisch limitiert. Er ist nicht sonderlich schnell, auch wenn er über einen guten Antritt verfügt. Dabei hat er bei schnellen Richtungswechseln seiner Gegenspieler aber große Probleme zu folgen. Brooks ist auch nicht kräftig genug um sich von Blocks der Offensive Line zu lösen, das bereitet ihm sowohl in der Laufverteidigung als auch in Snaps bei denen er als Pass-Rusher Druck vom Linebacker-Level aus erzeugen soll Probleme. Brooks kann die Gegenspieler nicht mit flinken Bewegungen, aber auch nicht mit guter Technik überwinden. Hier hat er Nachholbedarf.

Fazit

Die Seahawks haben mit dem Pick von Brooks einen sehr spielintelligenten, wenn auch nicht ganz fertigen, Linebacker gedraftet. Seine Fähigkeit als Quarterback-Spy kann in der heutigen NFL noch sehr nützlich sein, um Dual-Threat-Quarterbacks in Schach zu halten. Sein Antritt ist einer seiner größten Stärken in einem sonst nicht sonderlich beeindruckenden athletischen Profil. Benötigt er das auf der Position des Linebackers? Das wird die Zukunft zeigen. Kann er an Kraft zulegen und seine Spielintelligenz weiter nutzen und ausbauen hat er die Möglichkeit seine Makel zu kaschieren.

Ausblick

Ich sehe in Brooks nicht den Spieler, der im ersten Jahr einen großen Impact bei den Seahawks haben wird. Dafür ist er noch zu roh und das Linebacker-Duo Bobby Wagner und K.J. Wright ist aktuell nicht zu verdrängen. Beide sind aber auch einem Alter bei dem sich langsam die Frage stellt, wie lange die Karrieren der Spieler noch gehen könnten. Vor allem Wright hatte hier vorletzte Saison ja einige Probleme, konnte die letzte Saison aber komplett bestreiten. Interessant ist hier aber Wrights Vertrag: Sollten die Seahawks Cap-Space benötigen könnten sie Wright entlassen, hätten dann noch 2,5 Mio. Dead-Cap, dafür aber 7,5 Mio mehr Cap-Space für beispielsweise einen Pass-Rusher übrig. Sollte dies der Fall sein könnte Brooks früher als ich es aktuell denke als Starter auf dem Feld stehen. Bobby Wagner bleibt aber weiterhin der Leader der Seahawks-Defense und wird nicht zur Diskussion stehen – er hat erst letztes Jahr seine Vertragsverlängerung bis ins Jahr 2022 unterschrieben und die Seahawks können in 2021 mit. 7,5 Mio. und 2022 3,75 Mio. Dead-Cap erst einigermaßen unbeschadet aus dem Vertrag aussteigen. Das sehe ich aber Stand jetzt überhaupt nicht auf die Seahawks zukommen.

Die Seahawks haben hier einen Pick für die Zukunft getätigt und das obwohl auf anderen Positionen ein deutlicher Bedarf besteht. Das führte zu einer gewissen Verwunderung bis Kopfschütteln. Hier wurde aber laut den Verantwortlichen auch der Spieler ausgewählt, der auf ihrem Board zu dem Zeitpunkt der “best player availaible” war – eine Vorgehensweise die ich auf jeden Fall unterstütze. Denn im Draft lohnt es sich selten Spieler nach Need zu bedienen, viel mehr sollte möglichst viel Talent im Roster versammelt werden. Ob das den Seahawks mit Brooks gelungen ist wird die Zukunft zeigen.

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