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Mailbag 3 – Saison 2023

Hallo liebe Leser und Leserinnen,

Die Seahawks haben die Aufeinandertreffen mit den San Francisco 49ers (2x) und den Dallas Cowboys hinter sich. Wie leider zu erwarten war ging man ohne Sieg aus den Partien. Die Playoff-Hoffnungen schwinden zunehmend, wenn auch vor allem die letzten drei Spieler der Saison eigentlich Must-Wins sind.

Das die Saison für viele Seahawks-Fans schon beendet scheint, das merkt man auch an euren Fragen. Viel geht vor allem um die Zukunft des Franchises. Ich werde, wie immer, eure Fragen mit besten Wissen und Gewissen beantworten.


Da ich angekündigt habe diesen Mailbag etwas kürzer zu halten, versuche ich das auch… Wobei diese Frage fast dazu einlädt, dem Ganzen einen eigenen Beitrag zu widmen. Solche Fragestellungen sind immer vielschichtig und nicht einfach zu beantworten.

  1. neuer Offense-Coordinator: Natürlich muss ich mich da auch an meinen eigenen Worten aus den letzten Mailbags messen lassen, aber einige Wochen später muss ich meine Meinung doch ein Stück weit revidieren. Die Offensive braucht dringend mehr Konstanz in ihrem Spiel und einen Teil der Schuld spreche ich da Shane Waldron zu. Er bewegt den Ball häufig gut über das Feld, hat immer wieder interessante Play-Designs in seinem Repertoire und Spiele wie zuletzt gegen Dallas zeigten, dass er sowas auch MAL über ein ganzes Spiel abrufen kann. Nur konnte man letzten Sonntag im Rückspiel gegen die 49ers erneut sehen, dass Dinge wieder nur temporär funktionierten. Ich denke es wird hier (wieder mal) auf einen Coordinator-Wechsel hinauslaufen. Für mich ein wichtiger Baustein, um die Lücke zu schließen, je nach dem wer letztendlich kommt.
  2. Talent: Auch wenn die Seahawks nach den letzten zwei Drafts auf einem sehr guten Weg sind, so ist der Rebuild immer noch nicht abgeschlossen. Auf zu vielen Positionen fehlt einfach Talent und teilweise auch Erfahrung. Die 49ers beispielsweise sind in vielen Bereichen einfach stärker besetzt als die Seahawks und das zeigte sich deutlich. Sicherlich kann mit guten Coaching etc. eine gewisse Talentlücke schließen, aber vor allem über eine gesamte Saison gesehen wird sich das bemerkbar machen. Leichter gesagt als getan, aber ein weiterer starker Draft und evtl. auch ein absoluter Treffer in der Free Agency muss her, sonst wird das nächstes Jahr ähnlich aussehen, auch wenn ich natürlich auch auf Leistungssteigerung der vielen jungen Spieler im Roster setze, was die Lücke zusätzlich schließen könnte.
  3. Altlasten loswerden: Das wird den Cap-Space der Seahawks vermutlich belasten (mehr dazu später), aber man sollte sich von Altlasten trennen, die einfach nicht funktioniert haben. Und das auch gerne radikal. Allen voran beispielsweise Jamal Adams, der in Seattle einfach nicht zu funktionieren scheint und das Team aktuell eher schlechter als besser macht. Dee Eskridge wäre da ein weiterer Kandidat, zuletzt war er auch inaktiv, obwohl spielfähig. Bobby Wagners Vertrag läuft nur für diese Saison, danach sollte man auch das gut sein lassen. Im Roster gibt es bestimmt noch den ein oder anderen Kandidaten, für den dasselbe gilt…

Das einzige für mich schlüssige Szenario wäre, wenn man im Draft tatsächlich einen Quarterback zieht, der Geno in der Vorbereitung massiv aussticht. Ähnlich dem Szenario, wie Wilson es in seiner Rookie-Saison gemacht hat. Nur dann würde ein Trade für mich Sinn ergeben. Denke Geno könnte einen Starting-Job woanders haben und müsste sich nicht erneut auf die Bank setzen. Lock könnte weiter den Backup geben.

Nur was bekäme man für ihn? Letzte Off-Season war es schon schwierig sich einen Vertrag für Geno auszudenken, da sein Fall so noch nie vorkam. Ähnlich wäre es bei einem möglichen Trade. Der Vertrag ist ja für einen Quarterback recht preiswert, auch wenn die Cap-Hits in den nächsten Jahren steigen werden. Vielleicht einen sehr späten Drittrundenpick? Oder irgendwas in den Runden 4-5? Schwierig zu sagen.

Für sonderlich realistisch halte ich das jedoch nicht. Selbst wenn ein Quarterback dazu kommt halte ich es für denkbar, dass er vielleicht eine Saison sitzt.

Die gibt es, es wird nur nicht so viel Cap-Space einsparen, wie man gerne hätte.

Entlässt man Adams spart mein 6 Mio. Er hinterlässt einen Dead Cap von rund 20. Mio. Er spielt für mich einfach nicht mehr gut genug, aber ich bin mir nicht so sicher, ob man sich das Missverständnis eingesteht und ihn einfach los wird. Man spart nicht so viel Geld und man muss ihn im Roster trotzdem ersetzen. Letzte Hoffnung bleibt, dass er im zweiten Jahr nach seiner Verletzung einen Satz nach vorne macht. Glauben tue ich daran langsam aber nicht mehr.

Auch Diggs könnte man entlassen, würde so 11 Mio. sparen, hätte aber weiter einen Deap Cap von 10 Mio. Das wäre zumindest lukrativer. Aber hier kann ich zumindest von meiner (durch die schlechte Benutzererfahrung sehr spärliche) Durchsicht des All-22 darauf schließen, dass Diggs diese Saison bisher nicht so schlecht spielt, wie er gerne gemacht wird. Auch bei Seahawks-Twitter gibt es einige, die diese These vertreten. Für mich wäre er nicht zwingend ein Kandidat für eine Entlassung, wenn es auch um die sportliche Leistung geht.

Man hat mit den beiden Safeties aber enorm viel Geld in dieser Positionsgruppe, muss sich aber wohl zwischen mehr Ersparnis oder mehr sportlichem Output entscheiden. Bin ich froh, dass ich diese Entscheidung nich treffen muss.

Fragen nach Trainerkandidaten finde ich immer besonders schwierig. Ich habe einfach zu wenig Einblicke in die einzelnen Coaching Staffs. Das neueste Spielzeug der NFL-Community ist ja Ben Johnson, der OC der Detroit Lions, der zugegeben einen guten Job macht. Jeder clevere oder Möchtegern-Clevere Verfolger des Sports hieft ihn zur neuen Saison schon zum Head Coach.

Nur ist ein guter Coordinator nicht immer oder sogar eher selten ein guter Head Coach. Es gehört soviel mehr dazu und vieles kann ich einfach nicht bewerten.

Daher kann ich nur mein Anforderungsprofil dazu teilen und das ist nicht so sonderlich komplex. Im Idealfall implementiert er eine ähnliche Culture wie Carroll es jahrelang getan hat (vor 2 Wochen schaute ich noch die Doku Trojan War über Carrolls Zeit bei der USC, sehr empfehlenswert) und ist dazu ein moderner, offensiv ausgerichteter Head Coach, da diese gewissermaßen etwas besser zu funktionieren scheinen und die Bedeutung der Offensive in der NFL immer größer wird, auch wenn die Defense diese Saion ein zurückschlägt.

Habe ich etwas weiter oben schon mal angerissen. Die Thematik ist durch den Cap-Space alleine schon nicht ganz so einfach. Dazu, wie du richtig schreibst, würde das eine weitere Baustelle aufmachen. Daher würde es für mich wenig Sinn machen, beide Safeties zu ersetzen. Zu mal das Team auch einfach noch andere Baustellen hat.

Ich halte John Schneider grundsätzlich erstmal für einen der etwas besseren GMs in der NFL. Du wirst keine Manager finden, die keine Fehlgriffe hatten. Alleine die letzten beiden Drafts sind für mich ein gewichtiges Argument, warum man mit ihm ohne Probleme weiter machen könnte.

Spannend wäre zu sehen, wie groß der Einfluss Carrolls war, sollte er nicht mehr als Coach arbeiten und Schneider aber bleiben. Wir bewegen uns hier natürlich in der Spekulation, aber viele der Deals, die wirklich in die Hose gingen, sprechen einfach die Sprache eines Coaches (Adams als Unterschiedsspieler, Leonard Williams, der uns den Push in die Playoffs gibt).

Schneider könnte noch einige gute Jahre vor sich haben und es wäre interessant ihn mal mit einem anderen Head Coach zu paaren. Daher ist ein kompletter Reset für mich nicht zwingend nötig, zu mal Schneider bei Bedarf auch noch später austauschen könnte.

Die Probleme in der Offense hatte ich schon etwas beschrieben und würde das in Teilen natürlich auch den Coaches zuschreiben. Es wird aber nie den einen Hauptschuldigen geben. Geno hatte seine Fehler in dieser Saison. Die Offensive Line war mal mehr, mal weniger gebeutelt und musste Verluste auffangen. Wide Receiver haben sich vor allem ind er Red Zone nicht genügend seperiert etc.

In der Defensive sehe ich das größte Problem nicht zwingend auf der Trainerposition, auch wenn ich mich in der Defensive nochmal etwas schlechter auskenne. Hier ist es noch eher spielerbezogen als auf der anderen Seite des Balles. Adams hat zu viele grobe Fehler in seinem Spiel. Tariq Woolen ist in einem sehr schwachen zweiten Jahr bisher und konnte nicht an seine Rookie-Saison anknüpfen. Bobby Wagner ist weit über seinem Zenit. Und die Leistung der Defense nahm weiterhin rapide ab, nachdem sich Uchenna Nwosu verletzte.

In der Offensive würde ich daher sagen man ist als Summe schwächer als das Talent, welches man im Kader versammelt. In der Defensive hingegen nicht.

Habe ich im letzten Mailbag beantwortet und soviel hat sich da nicht geändert:

Cut-Kandidaten 2024
S Quandre Diggs: Die Seahawks bündeln sowieso sehr viel Cap-Space auf der Safety-Position und 2024 wäre das letzte Vertragsjahr. Mit einem Dead Cap von 0,5 Mio wären hier 11,4 Mio zu sparen. Und das ist gar nicht gegen Diggs und seine Leistung, aber das ist schon eine Stange Geld, die man da sparen könnte.
TE Will Dissly: Hier wären 8,7 Mio Einsparungen drin und wieder ein sehr geringer Dead Cap. Wenn man Dissly den Rest der Saison ähnlich spärlich einsetzt wie zuletzt gegen die Ravens, dann dürfte auch er Gesprächsthema werden.
WR Dee Eskridge: Hier spart man kaum Cap Space, aber hier dürfte der Cut dann mitunter sportliche Gründe haben. Ich würde mir natürlich wünschen, dass er das Ruder noch rumreißt… der Glaube daran fehlt mir aber. Und dann lieber für Nachwuchs aus z.B. dem Draft Platz machen.

Extension-Kandiaten 2024
LB Jordyn Brooks: Kam nach seiner Kreuzbandverletzung in starker Verfassung zurück, auch wenn das letzte Spiel etwas Schatten auf ihn wirft. Dürfte auch nicht massiv teuer werden. LB wird bestimmt auch im Draft ein Thema werden, aber mit Brooks holt man sich zumindest eine ordentliche Baseline in die Gruppe.
G Damien Lewis: Hier dürfte der Preis eine Rolle spielen. Lewis ist einfach ein grundsolider Guard, der aus meiner Sicht auch gut mit Cross harmoniert. Er wird vermutlich nicht sehr teuer werden und da setze ich beim Thema Offensive Line gerne auf Kontinuität.
OLB Darrell Taylor: Als Pass-Rush-Spezialist in der Rotation der D-Line – gerne! Als valider Starter (mit dazugehörigem Vertrag) sehe ich Taylor eher nicht. Sollte das also preisleistungstechnisch passen für mich kein Problem, wenn man ihn hält.

Einzig bei Diggs würde ich etwas umschwenken.

Gibt es zum Glück nicht. Gäbe es eins würde man vermutlich das Limit, welches man vorher festgelegt hat, sprengen, nur um Henri endlich mal eine vernünftige Hose zu schenken…


Besten Dank fürs Lesen! Auf den nächsten Mailbag oder was auch immer mir so einfällt…