NFL Draft 2019 – Review

Der Draft 2019 ist Geschichte! Nachdem die Seahawks an Tag 1 mit vielen Trades und nur einem Erstrundenpick aktiv waren (Zusammenfassung hier), drafteten die Seahawks an Tag 2 und 3 zehn Spieler. Die Draft-Klasse in der Übersicht:

  • R1, P29:J. Coullier – DE – TCU
  • R2, P47: Marquise Blair – S – Utah
  • R2, P64: DK Metcalf – WR – Ole Miss
  • R3, P88: Cody Barton – LB – Utah
  • R4, P120: Gary Jennings – WR – West Virginia
  • R4, P124: Phil Haynes – G – Wake Forest
  • R4, P132: Ugochukwu Amadi – S – Oregon
  • R5, P142: Ben Burr-Kirven – LB – Washington
  • R6, P204: Travis Homer – RB – Miami
  • R6, P209: Demarcus Christmas – DT – Florida St
  • R7, P236: John Ursua – WR – Hawai’i

Durch geschicktes Downtraden haben GM Schneider und HC Caroll aus wenig Picks sehr viele gemacht. Ein Vorgehen, welches man aus den letzten Jahren gut kennt, aber nicht immer auf Gefallen von verschiedensten Seiten trifft. Oftmals wird damit vorgeworfen, Talent auf dem Board zu lassen und lieber Masse statt Klasse zu draften.

Der Pressekonferenz nach dem Draft konnte man entnehmen, dass in diesem Draft auch der Fokus daraufgelegt wurde, Special Teams und die Breite des Teams kompetitiv zu halten. Der Startschuss für die Verbesserung der Unit war die Verpflichtung eines neuen Kickers mit Jason Myers, die Vertragsverlängerung von Special Teams Captain Neiko Thorpe und nun die Adressierung im Draft.

Meiner Meinung nach haben die Seahawks einen guten Mittelweg aus Need und Masse an neuen Spielern gefunden. Der Bedarf auf DE war nach dem Clark-Trade mehr als offensichtlich und ist es auch mit dem Pick von Collier noch immer. Hier hat man angekündigt, dass man für den Pass Rush noch nicht alles getan hat.

Es wurden drei WR gedraftet, die höchste Anzahl in einem Draft unter Schneider/Carroll. Auch das legt leider den Verdacht nah, dass Baldwin, der in der Off-Season drei Operationen über sich ergingen lies, nicht mehr zurückkehren wird. Mit D.K. Metcalf wurde ein WR gedraftet, der in dieser Form noch nicht im Roster vorhanden war: groß und kräftig, aber auch schnell. Von den Anlagen sollte der hoch gehandelte WR gut in das Deep Passing-Game der Seahawks passen. Abzuwarten wird sein, ob Metcalf mehr als nur ein one trick pony ist. Mit Jennings wurde ein Receiver geholt, der vom Spielertyp Baldwin am ehesten ähnelt, er wurde häufig im Slot eingesetzt. Mit Ursua wurde nach einem späten Trade mit Jaguars noch eine späte Addition getätigt, bei der man abwarten muss, was er für das Team bringen kann.

Auch in der Secondary wurde mit zwei Safeties, Blair von Utah und Amadi aus Oregon, Verstärkung geholt. Hier soll Amadi zuerst auf FS getestet werden und Blair auf SS.

Kurznotizen:

  • Trotz der gut und tief besetzen LB-Gruppe wurde noch zwei LB gedraftet, Burr-Kirven und Baron
  • auch die O-Line hat noch einmal Tiefe bekommen und Haynes ist ein Mauler, passt vom Spielertyp in das Profil, welches Solari in der O-Line sehen möchte
  • Ohne einen RB-Pick können die Seahawks nicht: mit Homer wurde auch dieses Jahr wieder ein RB gedraftet

Abschließend ist zu sagen, dass der Draft rein auf dem Papier wenig spektakulär verlief. Der maximale Value pro Pick wurde nicht eingesammelt, das könnte daran liegen, dass die Seahawks ihr Draft-Board anders aufbauen als andere Team. Höhere Priorität als der eigentliche Value (Spieler wie Ridley, Gardner-Johnson, Winovich und Adderley waren noch recht lange verfügbar) hat bei den Seahawks die Einstellung und der Scheme-Fit eine sehr hohe Priorität. Dem Fan kann das beim Schauen des Drafts ratlos zurücklassen, wenn Spieler X oder Y nicht genommen wird, obwohl verfügbar. Doch einer Führung, die in ihrer Amtszeit in einer derart engen Liga nur höchstselten die Play-Offs verpasst, ist ein gewisser Vertrauensvorschuss zu gewähren. Gute Drafts, vor allem zu Beginn der Carroll/Schneider-Ära, waren das Fundament des Erfolgs. Auf Draft-Grades werde ich in diesem Zusammenhang auch verzichten. Merke: der letztjährige Draft wurde gerne im Anschluss an den Draft schlecht bewertet. Dissly, Dickson und Flowers waren mehr oder minder direkte Verstärkungen für das Team, Griffin hat sich in Special Team etabliert und Penny hat in seiner begrenzten Workload auch solide gespielt. Auf den Durchbruch warten noch Green und Martin, die ihr Potenzial jedoch andeuteten.  Lobend habe ich damals schon erwähnt, dass nach Konzept gedraftet wurde und auch das wurde dieses Jahr in einem guten Mix aus Konzept und Bedarf geschehen ist. Wirklich seriös darf man Draft-Klassen auch erst nach mindestens einer Saison, eher später, bewerten.

 

War das schon alles?

Man rechnete aufgrund des großen Bedarfs damit, dass nicht nur ein DE geholt wird. Stattdessen wurde noch ein DT geholt. Damit dürften die Planungen in der D-Line noch nicht beendet sein. Ich gehe nach den Aussagen von Schneider davon aus das hier noch eine weitere Verpflichtung eines Free Agents getätigt wird. Denkbar sind ein Veteran auf einem prove it-Deal oder ein Spieler wie Suh, der letztes Jahr bei den Rams ein starkes Jahr hatte und aktuell noch ohne Team dasteht.

Denn Cap-Space ist trotz der Wilson-Verlängerung da: Aktuell hat man ca. 30 Mio. $ zur Verfügung abzüglich des Rookie-Pools, der aktuell 8,7 Mio. $ beträgt. Durch das Cutten von beispielsweise Jaron Brown und Barkevious Mingo könnte man weitere 7 Mio. $ einsparen. Unklar ist auch noch die Situation um Doug Baldwin: nach drei Operationen in der Off-Season kamen während des Draft-Wochenendes weitere Gerüchte auf, dass Baldwin seine Karriere beenden würde. John Schneider wollte dazu nicht weiter ins Detail gehen, meinte es sei ein Prozess, durch den Baldwin und die Organisation durchgehen müsste. Der Verdacht liegt nah, dass Baldwin sein Karriereende selbst bekanntgeben soll und die entsprechenden Regelungen zur Auflösung seines Vertrags geklärt werden müssen. Hier würde es dann dementsprechend auch zu Cap-Einsparungen kommen.

Ein üppiger Draft, eine ganze Reihe von UDFA, die am Anschluss an den Draft noch verpflichtet wurden. Und doch sind die Planungen noch längst nicht abgeschlossen. Es wird spannend zu sehen sein, ob und wie aggressiv die Seahawks etwaige Free Agents versuchen unter Vertrag zu nehmen.

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