Review: Bengals at Seahawks – Week 1

Endlich wieder NFL-Football, der bedeutsam ist! Die Seahawks gewinnen ihren Home-Opener gegen die Bengals denkbar knapp mit 21-20. Über weite Strecken sah man sehr zähen Seahawks-Football. Eine Offense, die nur schwer den Ball bewegen konnte und eine Defense, die in der Secondary Schwächen offenbarte.

Was gut lief, was weniger gut lief und auf die dazu gehörigen taktische Aspekte möchte in dieser Analyse eingehen.

Base bleibt Base

Die NFL ist eine Passing-League. Die Offenses werden immer explosiver, kreativer und die Defenses reagieren dementsprechend auf die neuen Schemes und die gewählten Formationen der Offense. Die Nickel-Defense (4 DL, 2 LB und 5 DB) hat sich zur neuen Base-Defense (4 DL, 3 LB, 4 DB) entwickelt, um mit einem zusätzlichen Cornerback, dem Slot-Corner, den zusätzlichen aufgestellten Wide Receiver oder Tight End zu decken.

Spielten die Seahawks letztes Jahr 49% ihrer Snaps in Nickel-Defense und 14% in Dime-Defense (4 DL, 1 LB, 6 DB, angewendet bei offensichtlichen Pass-Situationen), um auf die Offenses zu reagieren, spielten die Seahawks gestern 90% ihrer Snaps in der Base-Defense. Der Abgang von Slot-Corner Justin Coleman und die Tatsache, dass man auf der LB-Position mit Wagner, Wright und Kendricks stark besetzt ist führte dazu, dass man alle 3 LB so oft es geht auf dem Feld haben wollte.

Die Bengals, die oft aus 11-Personnel agierten in 3 WR-Sets agierten, stellten die Seahawks damit vor ein Matchup-Problem: Die Seahawks spielten aus der 4-3 Defense mit 2 Safeties (McDougald und Thompson), Griffin und Flowers als CB in Zone-Coverage, die einen der WR deckten. Damit musste zwangsläufig in solchen Situationen ein LB einen WR covern. Kendricks, der über durchaus gute Coverage-Skills verfügt, hatte dann aber gegen John Ross schweres Spiel. Zac Taylor machte einen guten Job, John Ross als Matchup-Waffe zu benutzen und dieser dankte es seinem Coach mit seiner bisher besten Leistung in der NFL.

Beispiel ist der erste Touchdown von Ross. Zugegeben, der Flea Flicker ist ein Trick-Play und vielleicht nicht so aussagekräftig wie ein normaler Snap, jedoch wäre ein vermeintlich schnellerer und dynamischerer Cornerback eher in der Lage gewesen, Ross zu covern oder am Ende des Plays zu tackeln.

Individuelle Aussetzer machen den Seahawks das Leben schwer

Doch anscheinend damit nicht genug. Neben den schematischen Problemen führten individuelle Aussetzer dazu, dass die Bengals, die den Ball gut bewegen, zu ihrem zweiten Touchdown kamen. Mit nur noch 16 Sekunden auf der Uhr und dem Ball auf der eigenen 45 Yard-Line, ohne Timeouts gab es für die Bengals nur noch die Möglichkeit, schnell zur Außenlinie zu werfen oder für ein Hail Mary-artiges Play tief zu werfen.

Die Seahawks-Safeties stellten sich mit großem Platz zur Line of Scrimmage auf. Tre Flowers machte einen guten Job, Ross zu decken und die Sideline zu zumachen und ihm damit nur noch die Möglichkeit zu geben, tief nach innen zu ziehen. Flowers legt sich Ross damit so zurecht, dass die Safety-Hilfe, in Form von Thompson, eigentlich leichtes Spiel hatte: Der Wurf von Dalton, eigentlich sogar ein Wurf, der in einer Interception enden, aber mindestens mit einer Abwehr des Balles hätte enden müssen, wird über Thompson geworfen, welcher sich massiv in der Flugbahn verschätzt und den Ball dem viel kleineren Ross quasi in die Arme legte, welcher dann frei zum Touchdown durchlaufen konnte.

Dieses Play ist das beste Beispiel dafür, dass gerade auf der Position des FS in der Defensive von Pete Carroll ein zuverlässiger Spieler mit Ball-Skills unerlässlich ist. Einer wie Earl Thomas, selbstverständlich. Der Konkurrenzkampf um den Safety-Spot neben McDougald, welcher sowohl FS als auch SS spielen kann, sollte nun wieder weit offen sein. Tedric Thompson hat mit solchen Aussetzern einfach nichts im Team zu suchen. Mögliche Kandidaten auf Safety wären unter anderem Lano Hill und Rookie Marquise Blair. Auch Amadi, der nur eine durchschnittliche Leistung in seinem Debüt zeigt und als Slot-CB aufgestellt wurde, wäre für die Position des FS denkbar.

Clowney & Co. – Die D-Line überrascht

Es gab aber in der Defense durchaus auch positive Aspekte. Clowney, erst vor kurzem per Trade von den Texans akquiriert, machte ein starkes Debüt. Seine Präsenz war sofort zu spüren, er setzte Dalton, wenn er nicht den Ball schnell los wurde, permanent unter Druck oder machte Lücken für die Kollegen in der Defensive Line auf.

Größter Nutznießer gestern war Quinton Jefferson: Mit 2 Sacks, 6 Tackles, 3 QB-Hits und 2 Pass Deflections war er der Spieler des Spiels und eine echte Überraschung.

Weniger überraschend, aber trotzdem mehr als nennenswert ist die Verbesserung in der Lauf-Verteidigung. Mit 4,9 erlaubten Yards per Attempt war man letztes Jahr das drittschlechteste Team der NFL gegen den Lauf, hielt man die Bengals um RB Joe Mixon nun bei nur 2,4 Yards pro Versuch (34 Yards bei 14 Läufen). Die verbesserte Lauf-Verteidigung war schon in der Pre-Season zu beobachten und eine ausgemachte Baustelle seitens des Franchises, die Stand jetzt als klar verbessert bezeichnet werden kann.

Red Zone Defense eine Stärke

Die Seahawks-Defense hielt deutlich besser, wie auch letzte Saison, wenn das Feld deutlich kürzer wurde. Davor lässt man so großzügig Yards zu, dass beispielsweise Dalton sein Career-High an Passing Yards auflegen konnte. In Red Zone ist dann aber konsequent Schluss: Bei 3 Besuchen in der Red Zone erzielten die Bengals keinen Touchdown

Flowers unglücklich, Griffin verbessert

Tre Flowers war ein ausgemachtes Ziel der Bengals-Offense und führt unter anderem auch deshalb die Liga aktuell in Solo-Tackles an, sage und schreibe 10 Mal tackelte Flowers seine Gegenspieler. Flowers Gegenspieler wurden 13 Mal anvisiert, fingen dabei 10 Bälle, was leider auch bedeutet, dass Flowers auch 10 Receptions zuließ. Flowers hatte also wahrlich keinen guten Tag und sein vermeintlich bestes Play wurde negiert, da die Schiedsrichter auf Pass Interference entschieden haben. Das sehe ich bei Flowers aber bis dato noch überhaupt nicht tragisch, da ich seine Rookie-Saison durchaus vielversprechend fand und mit ihm und Griffin eine talentierte Basis bei den Outside-Cornern sehe, wenn beide natürlich noch keine Shutdown-CB wie etwa Richard Sherman in seiner besten Zeit sind.

Das Pendant auf der Gegenseite, der eben angesprochene Shaquill Griffin, zeigte sich in verbesserter Form, konnte 2 Pässe verteidigen und schien generell präsenter. Sein bestes Play, ein tief geworfener, aber von ihm athlethisch abgewehrter Ball, der sonst vermutlich als Touchdown geendet wäre, würde aufgrund einer Flagge zurück genommen. Selbstbewusstsein sollte die Leistung ihm aber trotzdem geben.

Ein altes Sorgenkind ist zurück

Wurde von vielen Seiten die Entwicklung der O-Line noch gelobt, hier machte Solari eine herausragende Arbeit letztes Jahr, war sie in Woche 1 wieder ziemlich schwach:

Justin Britt, der sich zu Beginn des Spiels verletzte, erwischte einen rabenschwarzen Tag und ich habe es bisher selten gesehen, dass Duane Brown bei einem Snap in einem Spiel so klar geschlagen wird wie am Sonntag.

On Tape

Viele der angesprochenen Plays habe ich bei Twitter in einem Thread mit kurzer Beschreibung hochgeladen:

To-Do für Woche 2

  • verbesserte Pass-Protection
  • mehr Targets für Lockett
  • mehr Nickel-Defense
  • Vermeiden der individuellen Fehler (Running Into the Kicker, Blown Coverage, mögliche Interceptions)
  • Mehr Press-Coverage statt Off-Coverage

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