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NFL Draft
Sommer-Scouting: QB Trevor Lawrence, Justin Fields

Sommer-Scouting: QB Trevor Lawrence, Justin Fields

Heute dreht sich beim “Sommer-Scouting” alles um die wichtigste Position im American Football – dem Quarterback. Dabei habe ich mir die zwei vermeintlichen Top-Prospects auf dieser Position für den kommenden NFL Draft zu Gemüte geführt.

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Das wären auf der einen Seite Trevor Lawrence. Lawrence war ein ehemaliger 5-Sterne-Rekrut und kann diesen Status bisher eindrucksvoll bestätigen. Lawrence lief in seinem ersten Jahr in 11 von 15 Spielen als Starter auf war bis zum College-Finale in der letzten Saison, welches gegen LSU verloren wurde, in seiner gesamten College-Karriere ungeschlagen!

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Der Weg für Justin Fields war ein wenig holpriger, so musste er bei Georgia hinter dem langjährigen Starter Jake Fromm Platz nehmen und transferierte nach seinem ersten Jahr am College zu den Ohio State Buckeyes. Hier war der hochdotierte Rekrut (Nummer 2 Overall in der Recruiting-Klasse von 2018) nach dem Abgang von Dwayne Haskins sofortiger Starter und zahlte dem Trainerstab das in ihn gesetzte Vertrauen zurück.

In der Rubrik “Sommer-Scouting” werde ich in unregelmäßigen Abständen Berichte zu verschiedenen Spielern veröffentlichen. Hauptsächlich wird es dabei um Prospects des vergangenen und kommenden NFL-Drafts gehen.


QB Trevor Lawrence – Clemson – #16

Kurzinfos:
  • Geburtsdatum: 06.10.1999 (20 Jahre)
  • Größe: 201 cm
  • Gewicht: 100 kg
College-Statistiken (2019):
  • Spiele: 15
  • Attempts: 407
  • Completions: 268
  • Genauigkeit: 65,8%
  • Yards: 3665
  • Yards per Attempt: 9.0
  • Touchdowns: 36
  • Interceptions: 9

Präzision: Lawrence verzeichnet in seinen beiden Jahren auf dem College eine konstante Completion-Percentage von etwa 65% – ein ordentlicher Wert. Er ist in der Lage konstant die Mitte zu attackieren und enge Fenster zu treffen. Probleme offenbaren sich vor allem bei tiefen Bällen. Hier ist sein Ball-Placement noch ausbaufähig und nicht das, was man sich erhofft.

Pocket-Verhalten: Hier ist Lawrence noch sehr inkonstant. Mal gelingt es ihm sehr elegant durch einen kurzen Schritt in der Pocket dem gesamten Pressure der Defense zu entkommen. Auch ist Lawrence ein gekonnter Scrambler. In anderen Spielsituationen spürt er den Druck der Blindside nicht oder läuft selbst in den Pressure. Hier herrscht Nachholbedarf.

Antizipation und Spielerkennung: Lawrence wartet nicht auf den offenen Receiver, sondern bedient sie und das auch in engen Fenstern. Seine Spielerkennung ist den meisten Fällen gut ausgeprägt und auf jeden Fall eine solide Basis, auf der sich weiter aufbauen lässt.

Armtalent und Armstärke: Grundsätzlich verfügt Lawrence über ein überdurchschnittliches Arm-Talent. Er kann jeden Wurf machen der von ihm gefragt ist, wirft auch auf dem Lauf oft präzise an den Mitspieler und verfügt außer bei tiefen Bällen über ein ordentliches Ball-Placement. Lawrence bringt sehr häufig den berühmt berüchtigten Zip auf den Ball. Hier würde ich mir mehr Varianz in der Wurfhärte wünschen.

Entscheidungsfindung: Lawrence attackiert gerne die Mitte des Feldes, was für ihn spricht. Aber auch hier schlägt das Pendel in beide Richtungen aus – neben geschickten Würfen in enge Fenster gibt es eben auch Plays, in denen Lawrence schlicht Underneath-Verteidiger auf dem Linebacker-Level übersieht oder Bälle zu spät los wird, die dann durch die Defensive Line des Gegners geblockt werden. Lawrence ist aber auch durch Fehler selten aus der Ruhe zu bringen, eher stabilisiert er sich nach Fehlern im Laufe des Spiels wieder.

Passmechaniken: Seine Mechaniken sind schon weit ausgeprägt, sehr poliert. Hier hat er keinen Nachholbedarf mehr. Technisch wird ihm in der kommenden Draft-Klasse kein Spieler etwas vormachen.

Athletik: Trotz seiner Größe ist Lawrence schnell auf den Beinen und athletisch genug, um auch im Laufspiel eine Waffe für sein Team zu sein. Seine körperlichen Maße sind mehr als stabil – der ein oder andere Hit sollte Lawrence nicht erschüttern.


Fazit und To-Do: In seinem vermutlich letzten Jahr auf dem College (sofern die Spielzeit stattfinden sollte) würde ich gerne eine Verbesserung seines Deep-Balls, eine Varianz in der Wurfhärte und eine Entwicklung in der Spielerkennung wünschen. Sonst ist Lawrence ein ziemlich komplettes Prospect und mit einem Alter von 21 Jahren während des NFL Draft ein junger und entwicklungsfähiger Spieler.


QB Justin Fields – Ohio State – #1

Kurzinfos:
  • Geburtsdatum: 05.03.1999 (21 Jahre)
  • Größe: 188 cm
  • Gewicht: 101 kg
College-Statistiken (2019):
  • Spiele: 14
  • Attempts: 354
  • Completions: 238
  • Genauigkeit: 67,2%
  • Yards: 3273
  • Yards per Attempt: 9.2
  • Touchdowns: 41
  • Interceptions: 3

Präzision: Die Sample-Size von Fields ist aufgrund seiner ersten Saison als Starter begrenzt. Fields besticht aber durch eine ordentliche Completion-Percentage. Sein tiefer Ball ist sehr präzise und das Ball-Placement von Fields nahezu perfekt. Vor allem seine Würfe in die Ecken der Endzone sind absolutes Topniveau und lassen den Zuschauer immer wieder staunen. Er gibt seinen Receivern immer wieder die Chance auf Big Plays.

Pocket-Verhalten: Grundsätzlich verfügt Fields über eine gute Pocket-Präsenz, gerne nutzt er aber auch seine starken athletischen Fähigkeiten um Druck zu entkommen. Durch seine Fähigkeiten als Scrambler ist er ein brandgefährlicher Dual-Threat.

Antizipation und Spielerkennung: Fields geht zuverlässig durch seine Reads. Findet er keine freie Anspielstation bedient Fields die Checkdown-Option oder läuft selbst, dadurch produziert Fields kaum negative Plays – er findet immer einen Weg. Die Erkennung von Pressure ist ausbaufähig. Erkennt er diesen frühzeitig ist er in der Lage die Pocket schnell zu verlassen. Hier muss er aber konstanter werden.

Armtalent und Armstärke: Um die Armstärke muss man sich bei Fields keine Gedanken machen – dafür ist sein Deep-Ball zu gut. Das dieser aber auch überaus präzise ist spricht für sein Armtalent. Grundsätzlich ist Fields Armtalent auf einem hohen Niveau – er ist genau, konstant, kann aus dem Lauf heraus werfen und variiert seine Wurfstärke.

Entscheidungsfindung: Die Entscheidungsfindung ist bei Fields gut entwickelt. Er geht durch seine verschiedenen Anspielstationen, hat immer wieder eine Auge auf die Checkdown-Option und läuft im Notfall selbst. Dabei spielt er immer ruhig und kontrolliert.

Passmechaniken: An seinen Passmechaniken gibt es nicht auszusetzen – eher ist zu bemerken, dass Fields auch aus vollem Lauf oder Cross-Body gute Würfe ausführen kann.

Athletik: Erinnert an die besten NFL-Dual-Threat-Quarterbacks, ohne jetzt zu sehr den Quervergleich ziehen zu wollen. Sollte einer der besten Athleten der kommenden Draft-Klasse sein.


Fazit und To-Do: Nach seiner ersten Saison als Starter gibt es für mich erstaunlich wenig Fragezeichen an dieses Prospect. Die Erkennung von Pressure der gegnerischen Defense muss besser werden. Durch die zunehmende Spielerfahrung die er in der nächsten Saison vermutlich sammeln wird sehe ich hier eine steile Lernkurve, die Fields nochmals einen weiteren Schub geben wird. Fields checkt alle Boxen die ein moderner NFL-Quarterback checken sollte.


Fazit

Beide Prospects sind sichere Erstrundenpicks und können jedem Team die im kommenden Draft einen Franchise-Quarterback suchen weiter helfen. Über die Klasse der Spieler muss nicht gestritten werden. Ich sehe Justin Fields aber als etwas kompletteren Spieler an, vor allem seine Athletik macht ihn für moderne Offenses zu einer wichtigen Option im Gameplan und kann das Laufspiel eines Teams zusätzlich beleben. Trevor Lawrence ist kein schlechter Athlet, er kann auch mit seinen Beinen Yards erlaufen, den Vorteil in dieser Disziplin hat aber ganz klar Fields. Welche Art Quarterback ein Team bevorzugt ist wie immer Auslegungssache und dadurch wird jedes Team, Experte oder Draftnik hier anders gewichten und die Spieler anders ranken.

Für mich ist Justin Fields aktuell der #QB1.

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